Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

 
Keyword Search
 
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Ekkehard Pluta
Klassik heute, June 2019

Der alte Antagonismus „Prima la musica, poi le parole“ erreicht in Kaija Saariahos Zyklus True Fire für Bariton und Orchester eine neue Dimension, denn die Komponistin hatte erst die Musik im Kopf und suchte danach nach geeigneten Texten, die sich dieser Musik einpassen ließen. Diese Auftragskomposition sollte zugleich dem bedeutenden kanadischen Bariton Gerald Finley die Möglichkeit geben, seine weite vokale Ausdruckspalette zu zeigen. Die Texte sind von unterschiedlicher stilistischer Art. Drei Zitate aus einem unvollendeten Essay des amerikanischen Philosophen Ralph Waldo Emerson sind verbunden mit Gedichten von Seamus Heaney und Marmoud Darwish und einem „Lullaby“ der indianischen Ureinwohner New Mexicos. Die Texte fügten sich für die Komponistin im Nachhinein zu einem zusammenhängenden Ganzen. Der gemeinsame Nenner: Der Mensch, von Natur umgeben und in Relation zu ihr. Musikalisch drückt sich das so aus, dass die menschliche Stimme in einen gewaltigen orchestralen Klangstrom eingebettet ist, gegen den sie sich behaupten muß. Es bedarf schon eines Sängers von Finleys stimmlicher und gestalterischer Kraft, in diesem Strom nicht unterzugehen. Er sang den für ihn geschriebenen Zyklus bereits bei der Uraufführung 2015 in Los Angeles unter Gustavo Dudamel.

Auch in Trans, einem dreisätzigen Harfenkonzert, das 2016 in Tokyo von Xavier de Maistre erstmals gespielt wurde, spielt der Solist nicht die zentrale Rolle, sondern steht im ständigen Dialog mit dem (wegen der Transparenz in der Besetzung reduzierten) Orchester, worauf schon der Titel anspielt. In der Oper und im sinfonischen Bereich wird die Harfe meist zur Erzeugung übersinnlicher, gar himmlischer Klänge eingesetzt. Saariaho reizt die Möglichkeiten des Instrumentes aus, das hier gelegentlich auch sehr charaktervolle, fast aggressive Seiten zeigt. Der Virtuose Xavier De Maistre erweist sich dabei als ein überaus eloquenter Anwalt der Musik und seines Instruments.

Zwischen den Orchesterliedern und dem Harfenkonzert steht mit Ciel d’hiver (2013) ein reines Orchesterwerk, bei dem es sich um den überarbeiteten, im Orchesterapparat wesentlich reduzierten 2. Teil des Triptychons Orion (2002) handelt: Eine atmosphärische Tondichtung, die nicht weniger als das Weltall zum Klanginhalt hat. Die Musiker des Finnish Radio Symphony Orchestra unter Hannu Lintu erweisen sich in allen drei Fällen als die berufenen Interpreten, dem Hörer den Klangkosmos Kaija Saariahos zu erschließen. © 2019 Klassik heute




Uwe Krusch
Pizzicato, June 2019

Immer wieder werden Klänge sorgsam betrachtet und in ihre Bestandteile zerlegt, um dann daraus eine neue Welt zu entwickeln. Denn diese Komponenten stehen nicht nebeneinander, sondern werden durch Übergänge und Abstufungen miteinander verbunden. Und daraus kann Kaija Saariaho dann wieder etwas Neues erschaffen. Dabei haben ihre Kompositionen immer eine Spannbreite, aus der heraus man das zarte erste Licht der aufgehenden Sonne nach der Winternacht ihres Geburtslandes ebenso wie das emsige Treiben ihrer Lebensmitte Paris heraushören mag. Jedenfalls ist ihre Musik immer kraftvoll und persönlich im Ausdruck, aber durchscheinend und filigran in der Struktur.

Dabei geben sich Saariahos Kompositionen jedoch nicht unnahbar oder verflüchtigen sich, sondern zeigen eine berührende Präsenz. Das kann man auch wieder in den drei hier eingespielten Werken erhören. Der Vokalzyklus True Fire, das Orchesterwerk Ciel d´hiver sowie das Harfenkonzert Trans, erweitern damit auch ihren Kanon der Kompositionen für Soloinstrumente.

Um für den Bariton Gerald Finley das Spektrum zu öffnen, wählte Saariaho für den Vokalzyklus True Fire sechs Texte von Ralph Waldo Emerson, Seamus Heaney sowie Mahmoud Darwish und überlieferte Worte der Tewa, Pueblo Indianern aus dem heutigen New Mexico. Diese sehr unterschiedlichen sprachlichen Vorgaben kamen erst dazu, als sie schon die musikalischen Ideen vertieft hatte, so dass sie sozusagen umgekehrt komponieren musste. Entstanden ist eine reiche prismatische und filigrane Klangpalette. Die in True Fire gleich zu Beginn anklingenden Harfen-Arabesken finden ihren Widerhall dann in dem konventionell dreisätzigen Harfenkonzert Trans.

Mit Flötenarabesken, die asiatisch anmuten und einem dichten und gleichwohl leuchtenden Orchestergewebe ist Ciel d’hiver aus unserer Zeit und changiert gleichzeitig noch zwischen französischer und asiatischer Musik.

Die beiden Solisten setzen die an sie gestellten Anforderungen mustergültig um. Finley nutzt die sich ihm bietenden Möglichkeiten gekonnt aus, um jedem Text einen anderen Charakter zu geben. Das wird auch in dem Konzertmitschnitt deutlich. De Maistre setzt mit sensiblen Fingern die mikroskopisch feinen Farbverästelungen des Konzertes in erspürbare Töne um. Ebenfalls nicht zu vergessen ist der vom Finnischen Radio-Sinfonieorchester unter Leitung seines Chefdirigenten Hannu Lintu beigesteuerte Ensemblebeitrag, der ebenso spannungsvoll das Gesamtbild zusammenhält wie im Detail sorgfältig ausformuliert ist. Die technische Realisierung lässt ebenfalls keine Wünsche offen. © 2019 Pizzicato




Guido Fischer
Rondo, May 2019

Wie Kaija Saariaho einmal aus ihrer Werkstatt berichtet hat, legt sie Klänge quasi „unter ein Mikroskop“, um sie bis in ihre geheimnisvollsten Verästelungen hinein zu beobachten. Und je länger sie hineinschaut, desto mehr zarteste Schattierungen und Übergänge macht sie aus. Diese Akribie einer naturwissenschaftlichen Forscherin hat die aus Helsinki stammende Komponistin vor allem in ihrer Wahlheimat-Stadt Paris kultiviert, wo sie nicht zuletzt über die Begegnung mit der Spektralmusik von Gérard Grisey und Tristan Murail die unendlich vielen Abstufungen in Farbe, Dynamik, Artikulation und Rhythmus kennenlernte. Hauchzarten Klangschattierungen begegnet man daher in ihren Werken genauso wie ultrafein glimmenden Soundpartikeln und geheimnisvoll anmutenden Signalen. Dass Saariahos Kompositionen sich dabei jedoch nie ätherisch geben und sich verflüchtigen, sondern eine unmittelbar berührende bis anspringende Präsenz besitzen, spiegeln nun ebenfalls drei jüngere Kompositionen wider. Aus den Jahren 2013 bis 2015 stammen der Vokalzyklus „True Fire“, das Orchesterwerk „Ciel d´hiver“ sowie das Harfenkonzert „Trans“, die von dem Finnischen Radio-Sinfonieorchester unter Leitung seines Chefdirigenten Hannu Lintu ebenso spannungsvoll im Großen wie sorgfältig im Detail aufgenommen worden sind. Mit den asiatisch anmutenden Flötengirlanden und dem fluoreszierenden Orchestergewebe bewegt sich „Ciel d´hiver“ zwischen Debussy und Tōru Takemitsu, und ist doch eindeutig 21. Jahrhundert. Um die sängerische Bandbreite des Baritons Gerald Finley in den Mittelpunkt zu stellen, wählte Saariaho für den Vokalzyklus „True Fire“ für Bariton und Orchester Texte u.a. von Ralph Waldo Emerson sowie eine reiche prismatische und filigrane Klangpalette. Und die gleich den ersten Song einleitenden Harfen-Arabesken finden ihren Widerhall in dem dreisätzigen Harfenkonzert „Trans“, dessen mikroskopisch feinen Farbverästelungen Xavier de Maistre meisterhaft mit feinster Hand nachspürt. © 2019 Rondo





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group