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Album Reviews



 
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Jürgen Schaarwächter
www.klassik.com, April 2019

Die Klugheit des finnischen Komponisten ist auf der vorliegenden CD ebenso offenkundig wie der auf jeder Ebene herausragende Einsatz der beiden Musikerinnen Tanja Tetzlaff (Cello) und Gunilla Süssmann (Klavier). Da gibt es keinen Moment nachlassender Intensität und minderer musikalischer Durchdringung. © 2019 www.klassik.com



Mátyás Kiss
neue musikzeitung, September 2018

Das exotische und gigantische halbjährige Faust-Festival in München ist vorbei, als Sahnehaube obendrauf liefert Oehms Classics die gigantische Orgelvariante der Faust-Symphonie von Franz Liszt, ebenso gigantisch gespielt vom eher zart bis zärtlichen Hansjörg Albrecht. Der entfesselt hier wahre Teufelskräfte, die der Komponist aber wieder in irdisch-christliche Territorien heraufholt. Aus den gigantischen Tiefenregionen der Klais’schen Orgel im Münchner Gasteig… [Wolf Loeckle]

Dmitri Schostakowitsch: Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester Nr. 1, op.35, Jazz Suite Nr.2, The Golden Age, op.22. Antonii Baryshevskyi, Romain Leleu, Brandenburgisches Staatsorchester, Howard Griffiths. Klanglogo

In Schostakowitschs Musik schäumen selbst leichtergängige Klangarten nicht überschwenglich sprühend, sondern funkeln eher ironisch bis sarkastisch zugespitzt und oft gestisch hochvirtuos. So binden sich in seinem ersten Klavierkonzert pianistisch oft exaltiert anspruchsvolle Soli mit brillierenden Trompeten-Kantilenen. Mit den beiden sich kompetent engagierenden Spielern, einbezogen die aufmerksame Orches¬terleitung, resultiert eine vortreffliche Wiedergabe dieses dankbaren Opus. Die aufgeräumt sich mitteilende zweite Jazzsuite wie auch des exzessiv fußball-affinen Komponisten ironiesatte, burlesk durchsprenkelte Ballettmusik übers goldene Zeitalter vervollständigen als rahmende Beigaben dieses aufreizende CD-Programm. [Hanspeter Krellmann]

Einojuhani Rautavaara: Werke für Cello und Klavier. Tanja Tetzlaff, Cello; Gunilla Süssmann, Klavier. Ondine

90 Jahre wäre er im Oktober geworden, der Doyen der zeitgenössischen finnischen Musik, dessen mystisch getönte Orchesterwerke erstaunliche Popularität erreichten. Dass Rautavaara in einem Zeitraum von 32 Jahren auch drei gewichtige, wie sein gesamtes Schaffen stilistisch schwer fassbare Cellosonaten komponiert hat, darunter eine besonders wertvolle für Cello solo – daran erinnern jetzt Tanja Tetzlaff und ihre norwegische Duopartnerin Gunilla Süssmann, bei der vor kurzem fokale Dystonie diagnostiziert wurde. Die im Sendesaal Bremen entstandene Produktion erreicht nicht bloß eine fantastische Klangqualität bis in die tiefsten Bassregionen des Klaviers, sondern lässt es unbegreiflich, ja tragisch erscheinen, dass dieses seit der Jahrtausendwende bestehende Traumduo so selten aufgenommen wurde, als noch Zeit dafür war. © 2018 neue musikzeitung




Michael Wersin
Rondo, June 2018

Schon die ersten Klavierklänge dieser CD faszinieren: Weiträumig wie Glockentöne präsentieren sich die ausgespannten, von Gunilla Süssmann hervorragend ausbalancierten Akkorde. Sie gehören zu Rautavaaras 1972/73 komponierten und 2001 revidierten ersten Cello-Sonate, deren überreiches musikalisches Spektrum sich innerhalb eines einzigen Satzes entfaltet—eine fesselnde Reise für den Zuhörer. In den folgenden zwei Präludien und Fugen aus dem Jahr 1955, jedes Satzpaar motivisch auf einem Komponistennamen basierend, kommt zunächst jeweils Tanja Tetzlaff ausführlich zum Zuge, denn die Präludien beider Satzpaare sind für Cello allein komponiert: Steilvorlagen für das differenzierte, hochexpressive Spiel der Cellistin.

Mit einer Solo-Sonate für Cello und der zweiten Sonate für Cello und Klavier sowie zwei kleineren Werken setzt sich das Programm fort. Das vielfältige musikalische Schaffen des 2016 verstorbenen Rautavaara mit seinem zwischen Neoromantik und gemäßigter Moderne angesiedelten stilistischen Spektrum bietet den beiden Interpretinnen dabei noch zahllose Möglichkeiten, sowohl ihr stupendes musikalisches Einverständnis im Zusammenspiel wie auch ihre Beherrschung des jeweils eigenen Instruments unter Beweis zu stellen—im hingebungsvollen Dienst an musikalischen Werken, die selten zu hören sind. Eine sehr empfehlenswerte CD. © 2018 Rondo




Volker Tarnow
Rondo, June 2018

Einojuhani Rautavaara (1928–2016) ist zum meistgespielten zeitgenössischen Komponisten des Landes geworden. Außerhalb Finnlands findet sich sein Name eher selten auf den Programmen. Deshalb verpflichtet das Label Ondine seit fast dreißig Jahren internationale Künstler, was hier wieder einmal zu mustergültigen Ergebnissen geführt hat. Tanja Tetzlaff und die norwegische Pianistin Gunilla Süssmann spielen, ja zelebrieren geradezu Rautavaaras raffiniert eingängige Werke für Cello und Klavier.

Jedes Stück gibt Rautavaaras signifikante Handschrift mit weit ausgespannten, dissonant gesetzten Kantilenen zu erkennen, jenen Personalstil, der so traditionell wie modern ist und weder vor romantischer Emphase noch vor eigenwilligen Zwölftonreihen und Tonclustern zurückschreckt, ja dem Klavier in der zweiten Sonate von 1991 sogar aleatorische Freiheiten zugesteht. Gunilla Süssmann weiß diese Räume intelligent zu nutzen; sie ist sowieso keine Pianistin, die sich an den Rand drängen ließe. Es ist die enge kontrapunktische oder kanonische Verzahnung beider Stimmen, der hochvirtuose Variantenreichtum von Substanz und Dekor, was diese Werke so faszinierend macht.

Tanja Tetzlaff bietet ein elegantes, fast unmerkliches Vibrato, einen gänzlich unmanirierten Vortrag, stets auf den Geist des Werkes konzentriert, auf das harmonische Zusammenwirken mit ihrer Partnerin. Sie tritt niemals, auch nicht in der Solo-Sonate von 1969, mit egomanischem Gehabe hervor. Wir hören die Stimme des Komponisten, ihren seltsam mystischen, gelegentlich auch launigen, vorwitzigen Tonfall. Mein Favorit: die 1973 geschriebene erste Sonate, eine Fantasie über das schwermütige Thema aus seinem bekanntesten Orchesterwerk „Cantus Arcticus“—viel individueller, sanglicher, „sprechender“ kann moderne Musik nicht sein. Und eindringlicher gespielt auch nicht. © 2018 Rondo



Roland H Dippel
Concerti, March 2018

Zum Gedenken an den neunzigsten Geburtstag Einojuhani Rautavaaras blicken Tanja Tetzlaff und Gunilla Süssmann auf die zu Unrecht im Schatten von Rautavaaras Sinfonien und Opern stehenden Werke für Klavier und Cello. Dabei spiegeln gerade die drei Sonaten, deren Entstehung ohne den Anstoß durch den finnischen Cellovirtuosen Erkki Rautio undenkbar ist, exemplarisch den kompositorischen Weg Rautavaaras von milder Zwölftonmusik über eine postmoderne Romantik zu den Synthesen seines Spätwerks. Das für Cello und Klavier arrangierte „Lied meines Herzens“ aus der Oper „Sydämeni Laulu“ über den finnischen Romancier steht am Ende dieses Weges. Tanja Tetzlaff und Gunilla Süssmann liegen auf einem Atem, breiten gemeinsam die musikalischen Schwingen über Rautavaaras Kantilenen aus und zeigen so viel Geistesverwandtschaft für die spröderen Passagen, dass man deren Herbheit einfach vergisst. Der ideale Einstieg für (noch) Unentschlossene. © 2018 Concerti



Oliver Fraenzke
The New Listener, March 2018

Wir erfreuen uns am künstlerischen Vermächtnis des 2016 verstorbenen Finnen Einojuhani Rautavaara für Violoncello und Klavier, und nehmen zugleich vielleicht—was nicht zu hoffen ist—auch hiermit Anteil am künstlerischen Vermächtnis von Gunilla Süssmann, die aufgrund einer fokalen Dystonie um die Beweglichkeit ihrer rechten Hand bangen muss.

Einojuhani Rautavaara fand in den 1960er Jahren zu eigener Sprache und damit verbunden zunehmender Popularität, als er mit der Avantgarde abschloss und Pionier einer neuen Bewegung wurde, die heute oft als Post-Moderne bezeichnet wird. Unter diesem kaum definier-oder abgrenzbaren Begriff versteht man meist eine Symbiose neuer und alter Stilmittel. Konkret in Rautavaaras Fall könnte man von einer Zusammensetzung sämtlicher „Neo“-Stile sprechen, die allesamt Anwendung finden und doch nie den eigentlichen Kern ausmachen, gepaart mit Effekten der Moderne und düster-finnischem Gestus. Rautavaara nutzte beispielsweise Cluster als melodische Elemente, bemerkenswert unter anderem im ersten Klavierkonzert (heute als Pionierwerk geltend) oder auch in der ersten Cellosonate. Er spricht in einem unverwechselbaren Tonfall, melancholisch, bedrückend, voll im Klang und mit gewissem Pathos. Die dadurch entstehende Stimmung ist die eines ständigen „De Profundis“. Direktheit und geradezu ‚Nacktheit’ kennzeichnen die Musik, die Spieler wie Hörer körperlich und geistig herausfordert.

Fest verbunden, ja verschmelzend wirken die beiden Musikerinnen zusammen, Atem wie Herzschlag genauestens aufeinander abgestimmt. Frontal gehen sie auf den Hörer zu und verbergen nichts von den beinahe barbarischen Zügen der ehrfurchtgebietenden Tonlandschaften. Die Ursprünglichkeit der Musik Rautavaaras kommt eindrucksvoll zum Ausdruck. Leidenschaft und Einfühlungsvermögen der beiden sind offenkundig und stellen die Musik unverfälscht dar, ohne sich durch die virtuosen Höchstleistungen nur eine Sekunde lang veräußerlichend aufzudrängen.

Sachlich informativ ist der Booklettext von Kimmo Korhonen und emotional berührend das Geleitwort der beiden Musikerinnen zu ihrem Zugang zu Rautavaaras Musik. © 2018 The New Listener



Jens F. Laurson
Klassik heute, March 2018

Einojuhani Rautavaara ist einer der ganz wunderbaren Komponisten… nicht nur „des letzten Jahrhunderts“ (zumal er ja erst vor eineinhalb Jahren starb und noch fleißig im 21. Jahrhundert komponierte), sondern überhaupt. Rautavaara war „a giant of beauty“, den Sibelius selber als vielversprechendsten finnischer Komponisten bezeichnet hatte… der allerdings nie in die Falle tappte, sich mit Gewalt eine Sibelius-ähnliche Musiksprache eigen zu machen. Schon eher kann man die Musik des norwegischen Komponisten Harald Sæverud ausmachen; mancher hört Anklänge an Bruckner oder Roy Harris. Allerdings ist Rautavaara inzwischen wohl deutlich besser bekannt als Sæverud und Harris und so muss man nicht erst Vergleiche heranziehen. Rautavaara klingt wie Rautavaara.

Dabei ist es irreführend von Rautavaara zu sprechen als hätte er einen bestimmten Stil gehabt: er hatte viele; insbesondere einen sehr frühen neo-romantisch/neo-Klassizistischen Stil, dann eine immer noch frühe Dodekaphonische Phase und schließlich die romantisch, vielleicht adäquat als „Fauvistische“ zu umschreibende, für die er berühmt geworden ist. In einem Gespräch mit Robert Reilly in „Surprised by Beauty—A Listener’s Guide to the Recovery of Modern Music“ kommentierte er diesen Umschwung so: „Als ich jung war, dachte ich es wäre richtig, meiner Zeit zu folgen. Also war ich ein Modernist; ein Avantgardist. Habe auf Darmstädter Schule gemacht. Als ich dann diese Techniken mehr oder weniger gelernt hatte schwante es mir, dass diejenigen, die der Zeit folgen, hinter ihr zurückbleiben aber ihr keineswegs voraus sind. Der Ausweg für mich war es, Musik zu schreiben die ich auch mochte. Und mein Problem, wenn man so will, war nun mal, dass mir Harmonie unglaublich wichtig war. Die Lösung liegt, scheint mir, im Versuch eine Synthese von Modernismus und mehr oder weniger tonaler Harmonie zu schaffen.“

Die Zwei Präludien und Fugen (1955) kommen aus der sehr frühen, tonalen Phase und beschäftigen sich mit den Komponisten Einar Englund und Bela Bartók sowie deren musikalischen Rufzeichen (E A E G D beziehungsweise B E B A). Die Namen sind hier Programm: Weder Englund noch Bartók waren zu der Zeit die Heroen der meisten aufstrebenden Komponisten. Der Ton ist neoklassisch, in den jeweiligen Präludien für Cello Solo haucht Bach von außen seinen Atem an die kalten kleinen Fensterscheiben, die Einblick in die Kompositionen gewähren.

Die erste Cellosonate (1973/2001) erklingt über weite Strecken in einer verführerischen Schönheit die an Debussy erinnert, ohne wie Debussy zu klingen. Die Zweite Cellosonate (1991—aber zum Teil noch auf Material von 1975 basierend) kommt genauso aus der Zeit nach der Dodekaphonen Verirrung, bringt aber noch mehr an ausgeprägter Komplexität aus der Zwischenphase mit… die aber eben nicht auf Kosten des Bekenntnisses zur musikalischen Schönheit geht und ist damit ein Paradebeispiel für den erfolgreichen Versuch der obengenannten Synthese.

Song of My Heart (1996/2000) ist eine Transkription der Schlussarie aus Rautavaaras Oper Aleksis Kivi, ein herzergreifendes kurzes Klagelied für den 2000 verstorbenen Komponistenfreund Lepo Sumera. Eine kleine, auf Volksweisen basierende, fetzige, kantige Polka (1977) für zwei Celli und Klavier (in dem Fall sind beide Celli von Tanja Teztlaff gespielt) schließt die Aufnahme rund ab. Die beiden Musiker—besagte Tanja Tetzlaff und die Pianistin Gunilla Süssmann—zeigen sich als eingespieltes Team mit Lust und Freude an der Musik und perfekter Beherrschung ihrer Instrumente.

Den großen Bogen der Sinfonien, die Verführungskunst der Konzerte, oder die betörende Qualität der Streichquartette und des Streichquintettes (!)—dem Rautavaara-Neuling seien erstere dringend ans Herz gelegt—mögen die Kammermusikwerke auf dieser Einspielung nicht haben, aber jeder Rautavaaras Musik schon erlegene Hörer wird hier unbedingt die Fortsetzung dieses ewigen Hörvergnügens finden. © 2018 Klassik heute





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