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Martin Blaumeiser
Klassik heute, December 2018

Mit John MacMillan (Jg. 1959) und Julian Anderson (Jg. 1967) gibt es derzeit zwei britische Komponisten, die zweifellos ebenso herausragende Größen darstellen wie Benjamin Britten bzw. Peter Maxwell Davies und Harrison Birtwistle in ihrer jeweiligen Generation. Julian Anderson gelingt es immer wieder, durch allerhöchste Instrumentationskunst trotz im Detail steckender Komplexität eine allgemein zugängliche Klanglichkeit herzustellen, die sich jenseits aller modernistischen Dogmen bewegt und unmittelbar berührt. Nie überdosiert bezieht sie in ihrer Harmonik mikrotonale Elemente mit ein, deren Ursprung sowohl bei den französischen Spektralisten—Anderson studierte u.a. zeitweise bei Tristan Murail—als auch in traditioneller, britischer Volksmusik zu finden ist.

Die vorliegende CD ist dem Gedenken an den im Juli verstorbenen Dirigenten und Komponisten Oliver Knussen gewidmet, der sich bereits früh für Andersons Werke eingesetzt hat und auch hier beide—bereits 2010 entstandenen—Aufnahmen dirigiert. The Comedy of Change (2009) ist ein Ensemblestück für 12 Spieler, das auch als Ballettmusik konzipiert ist. Change bezieht sich dabei nicht zuletzt auf die Evolutionstheorie Charles Darwins. In sieben Sätzen entwickeln sich, oft fast aus dem Nichts, Tänze jubilierender Lebensvielfalt. Noch deutlich interessanter: Heaven is Shy of Earth (2006–10), groß besetzt mit Mezzosopran-Solo, Chor und vollem Orchester. Hier wird das Ordinarium der lateinischen Messe (ohne Credo) geschickt mit Versen aus Psalm 83 („Wie lieblich sind deine Wohnungen“) und Gedichtfragmenten von Emily Dickinson kombiniert, die das Ganze komplett aus dem—ja auch keinesfalls intendierten—liturgischen Rahmen werfen; eine beeindruckende Hymne an die Natur.

Knussen bringt die Feinheiten von Andersons Klangzauberei sowohl mit der London Sinfonietta als auch mit dem BBC Symphony Orchestra in all ihrer Schönheit zur Geltung. Gerade Heaven is Shy of Earth enthält nicht nur durch die formalen Kunstgriffe immer wieder spektakuläre Momente, die Knussen und seine Musiker voll auskosten. Bei den Passagen, in denen spektrale Klänge die Erhabenheit der Natur versinnbildlichen, kann es einem schon mal wohlig den Rücken herunterlaufen. Susan Bickleys Mezzosopran erweist sich ebenso als erste Wahl. Diese Darbietung ist von einer Präsenz, wie sie sich bei zeitgenössischer Musik eher selten einstellt. Hier wird überdeutlich, was für einen genialen Künstler wir mit Oliver Knussen verloren haben—und dass die Musik Julian Andersons endlich auch mal in Deutschland öfter gespielt werden sollte. © 2018 Klassik heute





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