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Album Reviews



 
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Dr. Dennis Roth
www.klassik.com, June 2019

Christian Tetzlaff und das Finnish Radio Symphony Orchestra unter Hannu Lintu bereichern die Diskographie von Bartóks beiden Violinkonzerten mit einem sensibel ausgehörten, zugleich hochdramatischen Zugriff. © 2019 www.klassik.com



Norbert Hornig
Fono Forum, August 2018

Schon damals war er sich seiner Sache sehr sicher. Als Christian Tetzlaff 1995 mit Béla Bartóks zweitem Violinkonzert bei den Berliner Philharmonikern debütierte, konnte man nur staunen, mit welcher Übersicht, geigerischen Souveränität und auch Risikobereitschaft der damals 29-Jährige seinen Part gestaltete.

1991 hatte er bei Virgin seine erste Aufnahme des Werkes vorgelegt, mit dem London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Michael Gielen hatte er kompetente Mitgestalter an seiner Seite. Bereits dort überzeugte Tetzlaff mit seinem Verständnis für die Struktur und die musikalische Dimension dieses Meisterwerkes, beflügelt wohl auch durch Gielens wissende Mitwirkung.

Gut 27 Jahre später spielte er mit dem Finnischen Rundfunk-Sinfonieorchester unter Hannu Lintu das Konzert erneut ein, die vorliegende Aufnahme entstand als Synthese einer Serie von mehreren Live-Mitschnitten. Hier ist man noch näher am Puls und am energetischen Fluss dieser perfekt konstruierten Partitur, die musikalisch ein immenses Spektrum von Emotionen transportiert, im weiten Ausdrucksradius von größter Zartheit bis zur dramatischen Eruption. Darin bewegt sich Tetzlaff mit einer jetzt auf allen Ebenen gesteigerten Sensibilität. Musikalische Rhetorik, klangliches Raffinement und geigerische Brillanz summieren sich zu einem facettenreichen Gesamtbild und dem Eindruck von Gleichgewicht und Stimmigkeit.

Hatte Tetzlaff für seine erste Aufnahme Bartóks Solosonate als Ergänzung gewählt, so stellt er jetzt das erste Violinkonzert vor. Das für die ungarische Geigerin Stefi Geyer geschriebene Werk kam erst 1958 zur Uraufführung und blieb bis heute ein seltener Gast in den Konzertsälen. Wenn man die fein konturierte und immer auch genussvoll ausgesungene Darstellung mit Christian Tetzlaff und den Musikern aus Helsinki auf sich wirken lässt, wird klar, welch großer Wurf auch dieses Stück ist. © 2018 Fono Forum



Christian Lahneck
Concerti, July 2018

Zwei Violinkonzerte hat Béla Bartók geschrieben: ein frühes mit stark autobiographischen Bezügen und ein spätes zweites Werk, das vor allem unter formalen Gesichtspunkten zu den ungewöhnlichsten Konzerten der Musikgeschichte zählt. Christian Tetzlaff, das Finnische Radio-Sinfonieorchester und Hannu Lintu spielen diese Musik insgesamt eher schlank, wie groß besetzte Kammermusik. Der langsame Satz des zweiten Konzerts etwa wird zum Beispiel dafür, dass Musik umso eindrucksvoller wirkt, je leiser man sie in den Vordergrund rückt. Tetzlaff agiert mit feinen Abstufungen. Große Anerkennung auch dafür, wie er im ersten Konzert den schwebenden, getragenen Ton trifft, ohne, wie manche seiner Kollegen, daraus eine Liebesfilm-Musik à la Hollywood zu machen. Tetzlaff spielt wunderbar fokussiert auf den Klang, singend und beredt zugleich. Das Finnische Orchester ist ihm dabei ein gleichwertiger Partner. © 2018 Concerti




Uwe Krusch
Pizzicato, June 2018

Zwei exquisite Schüler von Jenö Hubay gaben Bartok den Anlass, unter anderem seine Violinkonzerte zu schreiben. Beim ersten war es Steffi Geyer. Diese junge Frau inspirierte ihn weit über das musikalische hinaus, aber sie konnte seine Avancen nicht erwidern. Das Konzert aber ist von dieser aus Bartoks Sicht unglücklichen Liebe geprägt.

Das zweite Konzert widmete er dem langjährigen Freund und Duopartner Zoltan Szekely. In diesem Verhältnis stand die musikalische Hochachtung im Vordergrund. Deswegen und auch wegen dreißig Jahren eigener Entwicklung haben die beiden Werke unterschiedliche Stimmungsbilder und Gestaltungen.

Wenn man beide Werke koppelt, was sich anbietet, da sie eine CD auch gut füllen, muss die Interpretation diesen Unterschieden Rechnung zu tragen. Eine weitere Frage ist, wie die in beiden Werken anklingenden volkstonhaften Momente dargestellt werden. Sollten sie herausgehoben werden oder doch lieber die anderen musikalischen Aspekte herausgehoben werden?

Christian Tetzlaff ist ein Musiker, der nicht nur über eine herausragende Technik verfügt, sondern auch mit Herz und Verstand spielt. Damit schafft er musikalische Welten, die den Hörer mit intensiven Erlebnissen belohnt. Auch bei Bartok schafft er sowohl die stimmungsvolle Darstellung, mit der Bartók seine Steffi anhimmelte, als auch die künstlerische Darstellung im zweiten Konzert. So macht er Chromatik und Motorik erlebbar und stellt die auch enthaltenen Verbunko-Klänge eher in den Hintergrund. So verschmelzen Gefühl, Technik und musikantischer Schwung zu einem Hörgenuss.

Mit den Finnen vom Radio Symphonieorchester aus Helsinki und Hannu Lintu hat Tetzlaff Partner gefunden, die seinen Weg mit eigener Ausdruckskraft würzen, aber auch unterstützen. Mal lässt der erzeugte Klang an Wagner, mal an Strauss denken. Jedenfalls glänzt das Orchester mit klar strukturiertem Spiel, sattem, aber maßvoll dosiertem Klang und durchleuchtet die Materie dergestalt, dass die Modernität der Musik betont wird.

Die technische Realisation der Aufnahme bietet ein zwischen Solist und Orchester ausgewogenes angenehmes Klangbild. © 2018 Pizzicato




Guido Fischer
Rondo, May 2018

So hört sich es also an, wenn ein 26-jähriger Komponist vom Kaliber eines Béla Bartók über beide Ohren verknallt ist. Zart, vielleicht noch etwas verunsichert, wie das Schicksal es in Liebesdingen mit einem meinen wird, setzt die Solo-Geige zu ihrer großen Kantilene an, die sich ungebremst in großes Schwärmen hineinsteigern wird. Fast zehn Minuten dauert dieses Bekenntnis—und man bekommt davon nicht genug. Denn Christian Tetzlaff ist jetzt mit seiner Geige quasi in die Rolle des verliebten Komponisten geschlüpft, der 1907 mit seinem 1. Violinkonzert die ungarische Violinistin Stefi Geyer umgarnen wollte. Und da der Ausdrucksmusiker Tetzlaff immer auch auf seinen Verstand hört, gibt er sich nicht lediglich der großen Emotion hin. So verlockend innig er seine Saiten glimmen lassen kann, so steckt in diesem Liebesidyll bereits zugleich eine Bitterkeit, die jeden Überschwang des Herzens im Grunde zunichte macht. Im schnellen Satz dann trumpft Tetzlaff kokett auf, während an seiner Seite Hannu Lintu und das Finnische Radio-Sinfonie-Orchester nach den hymnischen Wagner-Farben im Eröffnungssatz nun bisweilen Richard Strauss-Funkeln beisteuert. Überhaupt wird man von dem musikantischen Schwung einfach mitgerissen, ohne dass einem das Furioso die Sinne vernebelt.

Im Vergleich zu der unlängst veröffentlichten Einspielung der beiden Violinkonzerte von Bartók mit Renaud Capuҫon und dem von Franҫois-Xavier Roth geleiteten London Symphony Orchestra sind die Musiker bei dieser deutsch-finnischen Live-Produktion aber nicht allein im 1. Violinkonzert etwas klarer zu Werke gegangen. Auch beim 2. Violinkonzert haben Tetzlaff & Co. weniger die magyarischen Effekte und Einflüsse interessiert, sondern die wilde Chromatik und die wie gehetzt daherkommende Motorik. Die sich darin spiegelnde Modernität Bartóks haben die Musiker für diese Aufnahme beeindruckend bravourös und mit einem elektrisierenden Temperament ausgespielt. © 2018 Rondo




Kai Luehrs-Kaiser
kulturradio vom rbb, May 2018

Auf seiner neuen CD spielt der deutsche Geiger Christian Tetzlaff die beiden Violinkonzerte von Béla Bartók. Nicht unbedingt Schmuse-Repertoire. Ist die Aufnahme dazu angetan, dass diese Werke neue Lieblingsstücke des Repertoires werden?

Die beiden Violinkonzerte von Béla Bartók, von Geigern früherer Generationen gemieden, gehören inzwischen zu den Lieblingskindern heutiger Star-Violinisten; zumindest sofern sie etwas querköpfiger drauf sind. Während sich früher nur Yehudi Menuhin dafür stark machte, haben nach Gidon Kremer auch Thomas Zehetmair, Isabelle Faust und Janine Jansen diese Konzerte eingespielt.

Zur aktuellen Neuaufnahme mit Christian Tetzlaff gesellt sich sogar ein Konkurrenzangebot mit Renaud Capuçon. Obwohl dieser mit François-Xavier Roth am Pult des London Symphony Orchestra das stärkere Team hinter sich hat, empfehlen wir die CD von Christian Tetzlaff. Und zwar wegen der Persönlichkeitsstärke dieses Geigers, der in den letzten Jahren eine furiose Entwicklung durchgemacht hat.

Voodoohaft

Während Tetzlaff, seit vorgestern 52 Jahre alt, früher den Konfirmanden und braven Hamburger Pastorensohn nie ganz verleugnen konnte, scheint inzwischen ein Knopf bei ihm aufgegangen zu sein. Nicht nur hat er sich plötzlich die Haare schulterlang wachsen lassen, als wolle er den Großstadt-Indianer mimen. Sein Spiel ist viel impulshafter, eruptiver geworden von einem geradezu vulkanischen Ausbruchsstil geprägt.

Dies leicht voodoohafte kommt den sehr speziellen, individualistischen Violinkonzerten Bartóks ungemein zugute; deren zweites Bartóks letztes Instrumentalkonzert überhaupt war und dessen erstes erst nach seinem Tode uraufgeführt wurde.

Spielerisch Spitze

Sehr schürfend, sehr krass in der Farbgebung—aber doch ohne den Spliss und klanglichen Ätzfaktor, wie man ihn bei Gidon Kremer finden würde—machen diese Konzerte einen zugleich wilden und lyrisch tiefernsten Eindruck. Vielleicht könnte man ein Quantum ungarischen Bluts vermissen.

Stattdessen begleitet das Finnische Rundfunk-Sinfonieorchester unter Hannu Lintu naturhaft, kompakt und beinahe sibeliusartig. Dank großer Integrität und Unverwechselbarkeit setzt sich Tetzlaff dennoch spielerisch an die Spitze der Diskographie. © 2018 kulturradio vom rbb





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