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Album Reviews



 
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Thomas Baack
Klassik heute, June 2019

Gibt es noch unentdeckte Aspekte in Mozarts so häufig eingespielten Klaviersonaten? Dieser Frage muss sich jede Neuaufnahme stellen. Wir hatten den romantisierten Mozart der Vorkriegsgeneration, den elegant gepuderten niedlichen kleinen Rokoko-Kavalier, die historische Aufführungspraxis auf dem Hammerflügel mit hinzugesetzten „willkürlichen Veränderungen“.

Lars Vogt geht einen anderen Weg und befragt die vier Werke nach ihren orchestralen, opernhaften und rhetorischen Qualitäten. Hierbei trennt er bewusst Phrasen vermittels Luftpausen und erzeugt dadurch einen Dialog zwischen den einzelnen Motiven. Er nutzt feinste agogische Nuancen zur Erzeugung eines Wechselspiels zwischen Spannung und Entspannung, Frage und Antwort. Gerade dadurch erhält die Musik einen einzigartigen Fluss. Seine Artikulation ist auf das feinste nuanciert, was ihm ermöglicht, die gesamte Farbpalette seines Flügels zu nutzen, ohne jemals perkussiv werden zu müssen.

Schade nur, dass manche Triller zu hastig und zu gleichmäßig angegangen werden. Besonders im Adagio von KV 280 wünschte man sich eine noch flexiblere Gestaltung. Auch wählt er in diesem ein so gedehntes Tempo, dass der Charakter eines langsamen Siciliano verloren geht und auf eine Wiederholung des zweiten Teils verzichtet werden muss. Die Behandlung von Wiederholungen in den Kopfsätzen ist etwas willkürlich. Generell wird auf einen Zweitdurchgang von Durchführung und Reprise verzichtet, nur KV 310 wird hiervon ausgenommen. Wieso?

Diese kleinen Mängel werden aber durch eine überlegte Gestaltung und durch ein Singen auf den Tasten durch feinste Kontrolle der Dynamik mehr als wett gemacht. Wie bei Ondine mittlerweile üblich, enthält das Booklet ein ausführliches Interview mit Lars Vogt, in dem er darlegt, was ihm bei dieser Aufnahme besonders wichtig war.

Fazit: Eine sehr empfehlenswerte Einspielung für diejenigen, die sich mit Mozarts rhetorischen Qualitäten auseinandersetzen möchten, aber dem häufig etwas spröden Klang eines Hammerflügels nicht allzuviel abgewinnen können. © 2019 Klassik heute



Christian Lahneck
Concerti, May 2019

Lars Vogts Läufe kullern und perlen mozartisch leicht, die Melodien formt er arios und sängergleich.

Im Jahr 2005 hat Lars Vogt erstmals ein Mozart-Solo-Album aufgenommen—ein brillantes Doppel-Album, die unter anderem drei Sonaten enthielt. Seither hat sich Vogt mit ausgewählten Konzerten, Violinsonaten und Trios immer weder zum Thema geäußert, nun hat er ein Album mit vier Sonaten folgen lassen. Die Einspielung zeugt von hoher Spiel-Intelligenz. Dieser Mozart biegt nicht alles, was die historisch informierte Spielweise an Erkenntnissen geliefert hat, krampfig auf den modernen Flügel, doch es finden sich davon Spuren-Elemente. Vogts Läufe kullern und perlen mozartisch leicht, die Melodien formt er arios, sängergleich. Die dramatischen Momente der a-Moll-Sonate gelingen ihm ebenso überzeugend wie die heitere Grundstimmung in der B-Dur-Sonate, deren Kadenz selbstverständlich und natürlich klingt, als könne es gar nicht anders sein. Ein Mozart, der das Spektakuläre meidet und aus sich selbst heraus leuchtet und glüht. © 2019 Concerti




Remy Franck
Pizzicato, May 2019

Als Lars Vogt 2006 seine erste Mozart-Sonaten-CD bei EMI veröffentlichte, fiel seine moderne Lesart auf. « Seine Interpretationen sind unmittelbar, verzichten auf süßliche Wendungen und Lieblichkeit.(…) Dies ist kein netter Mozart, kein Mozart der gefällt, sondern einer, der etwas zu sagen hat », schrieb damals Pizzicato-Rezensent Alain Steffen.

Die jetzt bei Ondine herausgekommenen Aufnahmen haben immer noch diese Frische, sie sind rhetorisch und kontrastreich, und von einer erstaunlichen Entschlossenheit, gerade in diesen Sonaten, die zwischen 1778 und 1783 entstanden sind und denen Vogt mit seiner Sicht der Dinge eine große Reife und Ernsthaftigkeit gibt. Selbst das Andante Amoroso der 3. Sonate KV 281 spielt er mit einer stoischen Gelassenheit. Das alles erreicht Vogt durch ein Interpretieren, bei dem er sich quasi gegen den Fluss der Musik stemmt. Er sagt das selber im Textheft: « Für mich gibt es kaum einen Takt, der gerade durchgeht. » Das klingt dann wie ein Mozart voller Fußangeln! © 2019 Pizzicato





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