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Norbert Florian Schuck
Klassik heute, December 2018

Unter Leitung Hannu Lintus präsentiert das Symphonieorchester des Finnischen Rundfunks auf der vorliegenden CD den Anfangs und den Endpunkt im Symphonienschaffen Witold Lutoslawskis.

Die spätere Entwicklung des Komponisten, der noch ganz andere Möglichkeiten zur Ausformulierung seiner musikalischen Gedanken entdeckte, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass er bereits 1947 mit seiner Ersten Symphonie ein vollgültiges Meisterwerk vorgelegt hat, dessen sichere, stringente Formung allein schon ausgereicht hätte, ihm den Ruf eines großen Symphonikers zu verschaffen. Aus Kimmo Korhonens ausgezeichneter Begleittext erfährt man von der speziellen Zuneigung des jungen Lutoslawski zum Werk Albert Roussels, und in der Tat scheint seine Erste Symphonie nicht nur mit ihrer springlebendigen Rhythmik, dissonanten Kontrapunktik und brillanten Instrumentation direkt an die letzten beiden Gattungsbeiträge des französischen Meisters anzuknüpfen, denn hier wie dort umrahmen drei knappe rasche Sätze ein vergleichsweise ausgedehntes Adagio. In den Kopfsatz hat Lutoslawski auf dem Höhepunkt der Durchführung (Track 1, 2:40) offensichtlich eine Hommage an die Parallelstelle aus der Dritten Symphonie Roussels einkomponiert.

Die vier kurzen Orchestersätze Jeux vénitiens zeigen Lutoslawski 14 Jahre später bei ersten Experimenten mit der Technik des aleatorischen Kontrapunkts. Sie sind in erster Linie als Materialstudien interessant: eine Sammlung knapper Skizzen und Impressionen von der Hand eines fantasievollen Harmonikers und Instrumentators. Wie der Komponist seine daraus gewonnenen Erfahrungen zur Gestaltung weiträumiger symphonischer Entwicklungen nutzt, zeigt die 1992 entstandene Vierte Symphonie. Die Aleatorik hat hier jeden Experimentcharakter verloren und fügt sich als selbstverständliches Kunstmittel in den Kontext eines wellenartigen Spannungsauf und abbaus ein. So verschieden dieses Werk von Lutoslawskis symphonischem Erstling sein mag, zeigt sich in ihm doch der gleiche Wille zur Synthese: Der Komponist konnte diese Vierte nur schreiben, weil er diese Erste schreiben konnte.

Hannu Lintu zeigt sich durchweg als ein sorgfältig disponierender Kapellmeister, der vor allem auf strukturelle Klarheit setzt und sich hervorragend darauf versteht, Lutoslawskis vielgestaltige Klangwelt umzusetzen. Das knorrig-kontrapunktische Gegeneinander der Orchestergruppen, wie es in der Ersten Symphonie dominiert, kommt unter seinem Dirigat nicht weniger gut zum Ausdruck als das Ineinander-Überfließen der Klänge in den aleatorisch beeinflussten Werken. Das Orchester agiert in Hochform und wird dabei von einer großartigen Tontechnik unterstützt. Alles in allem eine ausgezeichnete Produktion! © 2018 Klassik heute





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