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Album Reviews



 
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Norbert Hornig
Fono Forum, April 2019

Dies ist ein starkes Plädoyer für den estnischen Komponisten Heino Eller. Baiba Skride formt als Solistin ihren Part im Violinkonzert und in der Violinfantasie konturenklar und sehr tonschön aus.

Eller, ein Meister der Orchestrierung, kommt dazu mit der zweiten Sinfonie und der hier erstmals eingespielten Symphonischen Legende mit zweien seiner wohl stärksten Werke zu Wort. Das ist überaus farbkräftige Musik, großformatig in raumgreifenden Panoramen und einem unüberhörbaren Hang zum Romantischen. Olari Elts animiert das estnische Orchester, diese Klangpracht großzügig zu entfalten. © 2019 Fono Forum



Michael Loos
www.klassik.com, March 2019

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert:
Booklet:

Elts versteht es, der Solistin die notwendigen Freiräume zu geben, ohne die Orchestermusiker zu stark in den Hintergrund zu drängen. Ellers fantasievolle, abwechslungsreiche Musik erfährt so eine exzellente Interpretation, die auch klanglich keine Wünsche offenlässt. © 2019 www.klassik.com




Hans Ackermann
kulturradio vom rbb, December 2018

Mit seinen sinfonischen Werken hat der estnische Komponist Heino Eller ab 1925 den Nationalstil Estlands geprägt. Nun ist eine CD mit seinen Violinwerken erschienen.

Heino Eller hat als Professor am Konservatorium von Tallin einen der bekannten Komponisten der Moderne ausgebildet: Arvo Pärt. Der 1887 geborene Eller selbst ist mit seinen von der Spätromantik beeinflussten Werken eher weniger bekannt.

Umso verdienstvoller die Leistung des estnischen Dirigenten Olari Elts, der mit dem Estonian National Symphony Orchestra und der Solistin Baiba Skride eine Auswahl aus dem sinfonischen Werk des 1970 in Tallin gestorbenen Heino Eller präsentiert.

Stil

Ellers klangschöne Musik ist der spätromantischen Tonalität verbunden, bezieht aber wie seine erklärten Vorbilder Grieg und Sibelius auch Volksweisen in sein Werk ein. So streift die Violine der lettischen Geigerin Baiba Skride mit lyrischem Ton durch herb-nordische Klanglandschaften.

Im Violinkonzert aber auch in der “Fantasie für Violine und Orchester” wird hörbar, wie gut Heino Eller das Soloinstrument kannte—hat er doch um 1910 in Sankt Petersburg Violine studiert, bevor er später zur Komposition wechselte.

Weltpremiere

In diesen beiden von der Violine dominierten Werken, aber auch in der Sinfonie Nr. 2 und in der “Sinfonischen Legende” kann man Ellers Meisterschaft der Orchestrierung bewundern. Die größte Stärke des Komponisten liegt Arvo Pärt zufolge aber in einer Konzentration auf das Wesentliche.

“Für Heino Eller war es immer wichtig, die eine, die wesentliche Note zu finden. Viel wichtiger, als eine Masse von Tönen zu Papier zu bringen.” Vielleicht ist Ellers sinfonisches Werk deshalb überschaubar geblieben: nur drei Sinfonien, ein Violinkonzert und einige weitere sinfonische Dichtungen sowie Stücke für Streichorchester. Umso wertvoller die vorliegende CD, die Heino Ellers “Sinfonische Legende” sogar in einer Weltpremiere vorstellt. © 2018 kulturradio vom rbb




Uwe Krusch
Pizzicato, December 2018

Sind Grieg und Sibelius die einzigen Vertreter einer nationalen Musik des Nordens? Für viele mag die Aufzählung da schon enden, aber es gibt noch andere Komponisten, die man mit diesen Schlagworten verorten kann. Dazu gehört der Este Heino Eller, der als Komponist und als Lehrer von Pärt, Sumera und Tubin für sein Heimatland prägend war, sowohl während der Unabhängigkeit Anfang des letzten Jahrhunderts als auch unter den Repressalien von Stalins Sowjetunion. Als Beispiel dafür mag sein Werk ‘Heimatmelodie’ (Kodumaine viss) gelten, das in seiner Stellung und Wirkung mit ‘Finlandia’ von Sibelius vergleichbar ist.

Sein Kompositionsstil ist sehr persönlich und so nur annähernd einzugrenzen. Er kombiniert nationale mit modernen Elementen, so dass es ihm gelingt, expressionistische und impressionistische Farben zu mischen. Die vier eingespielten Werke zeigen exemplarisch die orchestralen Wege von Eller. Dabei wird auch deutlich, dass sein Schaffensprozess immer wieder zu Revisionen geführt hat, so dass etwa das Violinkonzert nach einigen Jahren und danach nach knapp drei Jahrzehnten nochmals überarbeitet wurde, woran verschiedene äußere Einflüsse Anteil hatten.

Mit einer einfacheren Gestaltung zeigt die unvollendete Zweite Symphonie eine Seite an Eller, die sonst weniger zu finden ist. Auffallend ist, dass er im Staat der Sänger nur instrumentale Werke geschaffen hat.

Dass diese Musik in der Welt wenig bekannt ist, mag auch daran liegen, dass es immer lokaler Interpreten bedarf, die sich ihr annehmen. Das ‘Estnische Nationale Symphonieorchester’ hat in seinem Landsmann Olari Elts einen weltbekannten und versierten Dirigenten. Es gelingt ihm, analytisch, mikroskopisch detaillierte Darstellungen zu gestalten, die aber immer auch noch mit Spontanität und frischem, lebendigem Leben funkeln. Auch Eller wird durch sein Dirigat und das engagierte und technisch reife Spiel des Orchesters exzellent aufgefaltet, ohne dabei den Fluss des musikalischen Gedankens zu schwächen.

Für das Konzert und die kurze Fantasie wurde mit der aus dem benachbarten Lettland stammenden Baiba Skride eine der großen Solistinnen unserer Zeit gewonnen. Sie serviert die charmante und einfache Fantasie mit der angemessen feinen Eleganz. Das Konzert, übrigens das erste estnische Werk dieser Gattung, dagegen ist mit seiner ungewohnten und nur mit guter Strukturierung gestaltbaren Aussage sowohl eine technische Herausforderung als auch gestalterische Aufgabe. Hier überzeugt sie mit in die Tiefe eindringender Durchleuchtung und natürlich über jeden Zweifel erhabener Technik.

Zusammen mit der technischen Makellosigkeit der Aufnahme ist so ein wunderbares Plädoyer für Heino Eller entstanden, das mit der ‘Symphonischen Legende’ auch eine Ersteinspielung aufweist. © 2018 Pizzicato



Martin Blaumeiser
Klassik heute, December 2018

Heino Eller (1887–1970) war so etwas wie der Doyen einer professionellen, estnischen Klassikkultur. Zu seinen Schülern zählen keine Geringeren als Eduard Tubin, Arvo Pärt und Lepo Sumera. Noch in St. Petersburg ausgebildet, kann man Ellers praktisch rein instrumentales Schaffen in drei Perioden einteilen. In der frühen (bis 1920) eifert er vor allem dem Vorbild Sibelius nach, aber bereits mit impressionistischen Einflüssen. In der mittleren (1920–1940) versucht er sich an einer Synthese des bisher Erreichten mit dem Expressionismus, unter Beibehaltung der Tonalität; nach 1940 bindet Eller zunehmend estnische Volksmusik mit ein, ohne aber in die Nähe des sozialistischen Realismus zu rücken.

Viele Werke Ellers haben eine lange Geschichte an Umarbeitungen erfahren, so auch das originelle Violinkonzert h-Moll, das bereits 1933/34 geschrieben, dann zurückgezogen und erst 1965 in seiner finalen Fassung uraufgeführt wurde. Das einsätzige, vielgestaltige Werk knüpft an Violinkonzerte nordischer Tradition an, sorgt aber 23 Minuten lang immer wieder für Überraschendes. Die lettische Violinistin Baiba Skride legt sich hier voll ins Zeug, kann sowohl mit den lyrischen wie auch den hochvirtuosen Momenten etwas anfangen und wird dabei von Olari Elts und dem Nationalen Estnischen Symphonieorchester mit reichstem, klaren Klangspektrum, aber der nötigen Zurückhaltung in der Dynamik optimal begleitet. Diesem erstaunlichen Konzert würde man gerne einen Platz im Repertoire gönnen. Die Fantasie für Violine und Orchester ist dann aber nur gewöhnliche Hausmannskost.

Die ursprünglich 1923 entstandene Symphonische Legende, hier als Ersteinspielung, gibt sich etwas zäh: Hier treten zu viele stilistisch heterogene Elemente miteinander in Konkurrenz, die Musiksprache kann sich nicht auf eine klare Linie festlegen und die üppige Instrumentation erinnert eher an zeitgenössische Komponisten wie Franz Schmidt, Joseph Marx oder Josef Suk als an nordische Spätromantiker. Elts versucht aber auch hier sein Bestes, arbeitet die zyklische, allerdings fragile Form und die exquisiten Klangkombinationen gekonnt heraus. Das estnische Orchester kann mit feinen Soli eine überzeugende Visitenkarte abliefern. Anders als Ellers erste und dritte, blieb seine zweite Symphonie (1947) unvollendet, besteht lediglich aus einem Kopfsatz. Hier zeigt sich ein ähnlich nonkonformistischer Geist wie Schostakowitsch, tragisch und lakonisch, der auch mit kleinsten Instrumentaleffekten wirkungsvoll psychologisieren kann.

Die Aufnahme kling direkt und präsent, könnte aber räumlicher sein. Das Booklet erfreut—nur auf Englisch—mit umfassenden Informationen. Heino Ellers Musik kommt vielleicht nicht an die seiner drei oben genannten Meisterschüler heran, ist aber höchst individuell und von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Entwicklung der Musik Estlands. Als Einstieg eignet sich diese CD aber durchaus. © 2018 Klassik heute





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