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Album Reviews



 
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Guido Fischer
Rondo, November 2019

Es ist ja nicht so, als ob Christian Tetzlaff zusammen mit Robin Ticciati und dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin die ersten fünf Minuten des Larghettos aus Beethovens Violinkonzert verschlafen hätten. Berückend elysisch haben sie diesen Satz bis dahin in ein musikalisches Wunderwerk verwandelt. Aber mit Takt 55, zu den ersten Pizzicati in den Orchestergeigen, raubt Tetzlaff einem dann doch vollends den Atem—wenn er pianissimo-sanft und in aller Seelenruhe den innigen Zauber dieser Passage feiert. Was kann danach noch kommen? Ganz einfach: Kaum hat der gesamte Streicherapparat ein Dutzend Mal kräftig aufgebrummt, leitet Tetzlaff mit einer kurzen, aber spannungsgeladenen Kadenz über ins finale Rondo und stößt mit zügigem Tempo ein ziemlich wildes Treiben an. Den langsamen Satz musste man noch kniend würdigen und genießen. Jetzt aber hat einen das pralle Leben wieder.

So aufregend kontrastreich geht es bei dem Live-Mitschnitt des Violinkonzerts von Beethoven aus der Berliner Philharmonie zu. Zugleich haben die Musiker die verschiedenen Gesichter dieses auch von Tetzlaff mittlerweile unzählige Male gespielten Repertoire-Klassikers mit einer schon fast mikroskopischen Genauigkeit abgetastet, bei der auch im Dynamischen keinerlei Schludrigkeiten oder Eigenwilligkeiten auszumachen sind. In allen Belangen ist das alles entlang der Partitur und eben darüber hinaus von vital über bewegend bis lyrisch (1. Satz) meisterlich ausmusiziert—wobei sich Tetzlaff erneut für die von Beethoven ursprünglich für die Klavierfassung des Konzerts komponierten Kadenzen entschieden hat.

Pralle Ausdrucksmusik gibt es danach mit dem zweiten Violinkonzert-Evergreen, dem ebenfalls einzigen Gattungsbeitrag von Jean Sibelius. Doch auch wenn Ticciati das DSO bisweilen nah an das bittere Pathos eines Tschaikowski heranführt, rettet Tetzlaffs wohldosiert sentimentale Kantabilität das Werk vor emotionaler Überzuckerung und gefühligem Überschwang. So ungemein souverän und engagiert zugleich man den Sibelius jetzt in einer Studioeinspielung vorgelegt hat—ihre wahre Klasse zeigen Tetzlaff & Co. bei Beethoven. © 2019 Rondo



NDR Kultur (NDR.de), September 2019

Und schließlich widmen wir uns der neuen Aufnahme der Geigers Christian Tetzlaff. Es ist die neue CD der Woche. Gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin und dem Dirigenten Robin Ticciati präsentiert Tetzlaff eine expressive, aber entschlackte Lesart des Beethoven´schen Violinkonzerts D-Dur. Leuchtend lyrisch und glühend dämonisch ist seine Interpretation des Violinkonzerts von Sibelius, welches hier als komplementäres Werk in d-Moll gehört werden kann. © 2019 NDR Kultur (NDR.de)



Philipp Cavert
NDR Kultur (NDR.de), September 2019

Rund 330 mal hat der Geiger Christian Tetzlaff das Violinkonzert von Ludwig van Beethoven im Konzert gespielt; hat es auch aufgenommen mit David Zinman und dem Tonhalle Orchester Zürich. Doch Tetzlaff ist längst noch nicht satt und legt nach: In einem eindrucksvollen Doppelschlag kombiniert er das Werk jetzt mit dem Violinkonzert von Jean Sibelius.

Beethovens einziges Violinkonzert ist anspruchsvoll. Nicht nur wegen seiner Länge. Mehr noch als um technische Virtuosität geht es darum, die Gesamtdramaturgie zu erfassen, das sinfonische Ineinandergreifen von Solostimme und Orchestersatz.

Träumerischer Gesang

Christian Tetzlaff verwendet die Paukenkadenz aus der Klavierfassung. Gemeinsam mit dem Deutschen Symphonie Orchester Berlin und seinem immer noch neuen Chefdirigenten Robin Ticciati präsentiert er eine expressive und gleichzeitig entschlackte Lesart.

“Mit Christian zu spielen ist so, als ob Beethovens Tinte noch nicht getrocknet wäre, als ob das Stück gerade erst entstanden wäre”, schwärmt Ticciati. “Nach der Kadenz spielen die meisten das halbe Tempo. Christian macht das im Pianissimo. Dolce sotto voce. Das Pizzicato der Streicher kommt im Tempo. Für mich klingt das wie ein Wiegenlied, das lange vergessen war.”

Der in Hamburg geborene Geiger Christian Tetzlaff kann auf seinem Instrument träumerisch singen. Flexibel und klar in der Klanggestaltung ist sein Geigenton; betörend: das Pianissimo in hoher Lage. Nichts ist süßlich oder bloß effektbetont.

Viel Energie und Frische Gedanken

Das Deutsche Symphonie Orchester Berlin genießt hörbar, wieviel Energie und frische Gedanken der Solist mitbringt - auch im zweiten Werk auf der CD, dem Violinkonzert d-Moll von Jean Sibelius.

So leuchtend lyrisch, aber auch glühend dämonisch wird hier musiziert, dass einzig der Blick ins Beiheft verrät: Es handelt sich bei diesem knackig akzentuierten Sibelius um eine Studioproduktion, während Beethoven als Konzertmitschnitt dokumentiert ist. Beide so grundverschiedenen Konzerte klingen wie live. © 2019 NDR Kultur (NDR.de)



Jens F. Laurson
Klassik heute, September 2019

Der großartige Christian Tetzlaff spielt auf dieser Aufnahme die Beethoven und Sibelius Violinkonzerte ein—große, etwas sperrige Solitäre der späten Klassik bzw. späten Romantik. Es ist dabei für Tetzlaff bei Beethoven schon die dritte- und bei Sibelius immerhin die zweite Einspielung. Zwar erklärt er das „warum“—als bräuchte es das wirklich noch—im Interview des Booklets. Erklären müsste es sich aber allein beim anhören. Tut es das? Zumindest nicht nach dem ersten oder auch fünften Anlauf. Freilich ist fraglos alles ist gut gespielt– sehr gut sogar… wie von Christian Tetzlaff zu erwarten. Jedoch nicht so herausragend, wie eigentlich auch von Christian Tetzlaff zu erwarten. Das bedeutet ersteinmal Enttäuschung auf allerhöchstem Niveau. Uncharakteristisch sind nur ein paar—zwar sehr kurze—verhudelte Momente in den Finali beider Konzerte… wo bei dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Robin Ticciati alles etwas zu schnell zu gehen scheint.

Fokussiert man lange genug auf den Violinpart blitzt immerhin durch, was da fantastisch ist: Wie Tetzlaff salopp und gekonnt im Finale vom Sibelius-Konzert die Musik Funken schlagen macht, da kommt Freude auf. Auch im Beethoven ist die Mischung von gewollt eckigem und schlafwandlerischer Stilsicherheit bei näherem Hinhören (am besten mit Kopfhörern und laut!) ein Genuss. Auch die (wie immer) von Tetzlaff gespielte, ungemein effektive Beethoven/Schneiderhan Kadenz (adaptiert von Beethovens Klavierversion des Konzertes) ist ein dicker Bonus. Aber nicht zuletzt wegen der etwas farblosen Begleitung von Ticciati ist der Gesamteindruck erstaunlich zurückhaltend. Auch stehen Tetzlaffs eigene hevorragende Aufnahmen einerseits des Beethoven mit David Zinman und dem Tonhalle Orchester (auf Arte Nova bzw. Brilliant; hervorragend kombiniert mit den entzückenden Romanzen für Violine und Orchester) und andererseits des Sibelius mit Thomas Dausgaard und dem Danish National Symphony Orchestra (auf Virgin bzw. Erato; ebenso hervorragend kombiniert mit den anderen, wunderbaren aber vernachlässigten Werken Sibelius‘ für Violine und Orchester), dieser Aufnahme im Weg. Wer insbesondere auf Beethoven abziehlt, ist zudem auch mit Zehetmair/Brüggen oder Faust/Abbado hervorragend bedient. Bei Sibelius, schließlich kann man bei Frank Peter Zimmermann, Hilary Hahn, Dmitry Sitkovetsky, Viktoria Mullova, und Leonidas Kavakos mindestens genauso bedenkenlos zugreifen.

Immerhin in dieser etwas spezifischen Zusammenstellung gibt es wenig überzeugende Konkurrenz: Großartig, wenngleich schon historisch, wären da in allererster Linie Ida Haendel/AnĨerl (Supraphon) aber auch Oistrakh/Ehrling (EMI/Testament) und Heifetz/Hendl & Munch (RCA) bzw. Francescatti bzw. Oistrakh mit Burno Walter respektive Eugene Ormandy (Sony). Vergriffen und klanglich nicht auf der Höhe sind Kremer/Temirkanov (Melodiya). Hervorragend gespielt, aber stylistisch eine ganz andere (altmodische) Welt, ist die Zukerman/Barenboim Kombination (DG), der seinen schlich superben, sirup-dicken Ton über beiden Werke gießt. Hier ist Tetzlaffs feine Charakterzeichnung in Kreide und Kohle um einiges zeitgemäßer. Und wessen Interesse in erster Linie Tetzlaff gilt, der kann sowieso bedenkenlos zugreifen. © 2019 Klassik heute



Christian Lahneck
Concerti, September 2019

Christian Tetzlaff spielt mit einer herrlich klaren, schönen, flexiblen Klanggestaltung die beiden Violinkonzerte von Beethoven und Sibelius.

Christian Tetzlaff zählt zu den wenigen Instrumentalsolisten von Rang, denen es möglich ist, Werke des engeren Standard-Repertoires in unregelmäßigen Abständen neu aufzunehmen und damit seine eigene künstlerische Weiterentwicklung zu dokumentieren. So hatte er 2005 das Beethoven-Violinkonzert unter David Zinman in Zürich aufgenommen, jetzt folgt eine Neueinspielung mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Robin Ticciati. Egal wo man hineinhört, Tetzlaff spielt mit einer herrlich klaren, schönen, flexiblen Klanggestaltung. Das leuchtet, mal offen und ungetrübt, mal ins Lyrische gewendet. Der langsame Satz gerät so zu einem Idyll ohne Kitsch. Das D-Dur-Konzert wird mit Sibelius’ d-Moll-Konzert gepaart. Hier ein ähnliches Bild, nur dunkler, teils dämonischer, aber nie vordergründig effektbetont. Das DSO passt sich dieser Hingabe und Akribie auf fast gleich hohem Niveau an. © 2019 Concerti





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