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Album Reviews



 
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Stefan Sell
Crescendo (Germany), May 2020

Lars Vogt widmet sich dem Ersten Klavierkonzert und den Händel-Variationen von Johannes Brahms.

Nach dem Klavierkonzert Nr. 1 präsentiert Lars Vogt hier Nr. 2, Brahms’ Opus 83. Noch einmal spielt er mit „seinem” Kammerorchester, der Royal Northern Sinfonia, deren künstlerische Leitung er nach fünf erfolgreichen Jahren am Ende der Saison 2019/20 abgibt. Hieraus ist eine wunderbare Harmonie erwachsen, ein wechselseitig inspiriertes Zusammenspiel, das sich in jeder Nuance nachfühlen lässt. Lars Vogt scheint kein Anspruch zu hoch, doch sein Spiel wirkt nie beansprucht, klingt immer unangestrengt und spielfreudig. Man spürt, dass er es ist, der entscheidet, was er spielen möchte. Es geht ihm um Essenzen. Hervorzuheben ist noch die wundervolle Cellostimme von Steffan Morris zu Beginn des Dritten Satzes, bei dem Brahms wie so oft auf bereits Verwendetes zugegriffen hat, auf die Melodie seines Liedes „Immer leiser wird mein Schlummer”.

Acht Takte sind die Bausteine für Brahms’ Variationen und Fuge über ein Thema von Händel op. 24. Händel selbst variierte seine Aria fünfmal. Brahms multiplizierte das Ganze mal fünf und schuf zum Abschluss eine Fuge. „Besonders lieb” waren ihm diese Variationen. Ist die vierte Variation ein Verdichtung, breitet die Nr. 16 ihre Arme aus, ist die sechste wie ein Kanon, erinnert die 22. an eine Spieluhr. Mit Verweis auf Milan Kunderas Buch vom Lachen und Vergessen erklärt Lars Vogt im Booklet seine Vorstellung von Variation: „Man hat ein Thema, das so viele Facetten hat, so viele Möglichkeiten—wie ein Leben unterschiedliche Möglichkeiten hat zu verlaufen.” Diese unterschiedlichen Möglichkeiten macht Vogt hörbar, grandios stilsicher gespielt werden sie unter seinen Händen zur Offenbarung. © 2020 Crescendo (Germany)



Jens F. Laurson
Klassik heute, May 2020

Das Label Ondine hat, nur kurz nach Lars Vogts Aufnahme des ersten Brahmschen Klavierkonzertes, nun auch das Zweite Konzert mit ihm herausgebracht. Wieder ist die Royal Northern Sinfonia mit dabei, das Kammerorchester am anderen Ufer von Newcastle, dessen Musikdirektor Vogt seit fünf Jahren ist. Wer bei „Kammerorchester“ und Brahms (und auch noch vom Klavier aus dirigiert) eine unterernährte, pseudo-historisch informierte Interpretation in Sparbesetzung befürchtet, kann beruhigt sein: Das ist nicht der Fall. Die Interpretation ist durchaus ein Kind ihrer Zeit, als sie schlanken Brahms bietet. Schlank ja, auch recht transparent, aber kräftig durch Muskeln, die ab und zu spielen. „Entschlackt“ könnte man sagen, wenn man mit dem breiten Brahms früherer Zeiten wenig anfangen kann.

Frisch und mit Zug

Es gibt viele hervorragende Aufnahmen von diesem Konzert: Buchbinder-Harnoncourt-Concertgebouw klingen traditioneller und zelebrieren die bei Brahms fast erwartete Breite höchst geschmacksvoll. An den schönen dunklen, fast nach alter Holztruhe riechenden Klang der Tschechischen Philharmonie unter Jirí Belohlávek mit Ivan Moravec kommt keiner heran. Und wie Jochum das Spiel der Berliner Philharmoniker um jenes seines Solisten Emil Gilels maßschneidert, dass bleibt nach wie vor unübertroffen. Es spricht für Vogt—der insbesondere in den Außensätzen vor einem durchaus harten Anschlag nicht zurückschreckt—und seiner Sinfonia, dass kein Vergleich die Aufnahme weniger attraktiv scheinen läßt. Die Musiker bringen eine attraktive Frische und einen natürlichen Zug nach Vorne mit, ohne hektisch zu wirken oder Übertreibungen anheimzufallen. Da gibt es viel aus den letzten Jahren, was oberflächlicher klingt und deutlich anonymer bleibt.

Exquisite Händeleien

Derweil ist die Dreingabe auf der CD, die Händel-Variationen, vielleicht sogar noch interessanter. Mit der Bandbreite aller Anschlagschattierungen, von samtweich bis hart-gläsern, Zärtliches, Ruppiges, wie Pompöses auslotend, spielt Vogt dabei so farbenprächtig, dass man glauben könnte, ein Orchester im imaginären Hintergrund mitspielen zu hören. Das ist interessanter, als das Spiel des eigentlich wunderbaren und doch in ein Ohr hinein und aus dem anderen herausgehenden Murray Perahia (Sony). Olga Kern (Harmonia Mundi) macht es ähnlich viel Spaß zuzuhören aber Lars Vogt ist, neben Jonathan Plowright (BIS), hier meine neue Referenz. © 2020 Klassik heute





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