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Ingrid Wanja
Opera Lounge, May 2014

Bemerkenswert: Die interessantesten DVDs scheinen augenblicklich von der Peripherie Europas zu kommen, so nach dem Sarden-Drama aus Cagliari nun aus Finnland eine King Lear-Oper, nicht die der häufig aufgeführten von Aribert Reimann, sondern vom Finnen Aulis Sallinen und deshalb auch in finnischer Sprache, allerdings mit englischen Untertiteln und einem ebensolchen Booklet versehen. Das Sujet, an dem Verdi und Britten scheiterten, wurde vom finnischen Komponisten rein tonal, mit vielen Anklängen an spätromantische Musik, auch an Sibelius, Mut zum Pathos, ja sogar Musicalhaftem und Filmmusik vertont. Der Finnish National Opera Chorus und das Finnish National Opera Orchestra unter Okko Kamu musizieren mit Lust und Hingabe und kosten die dramatischen , skurrilen und eher wenigen lyrischen Elemente der Partitur, so das Sichfinden von Vater und Tochter am Schluss, voll aus. Die Aufführung aus dem Jahre 2002 der 1999 fertig gestellten und 2000 uraufgeführten Oper steht und fällt mit ihrem Titeldarsteller Matti Salminen, damals im Zenit seiner Karriere mit unerschöpflich erscheinenden vokalen Mitteln für das Aufbrausen wie das Verzweifeln, das Flehen wie das derbe Lebensfreude Ausdrückende. Es scheint, als hätte der Komponist die Figur für diesen herausragenden Sänger komponiert, der auch darstellerisch die Erfüllung ist und alle Regungen des vom allmächtigen König zum verlachten Narren Heruntergekommenen, aber an menschlicher Reife Gewachsenen zu vermitteln vermag.

Auch bei den anderen Mitwirkenden sind sängerische wie darstellerische Leistung gleichermaßen bewundernswert, so bei dem Narren von Aki Alamikkotervo mit schneidendem Charaktertenor und mehrdeutigem Spiel. Zu ihm gesellt sich der geblendete Gloucester von Jorma Hynninen mit kraftvoll schönem Bariton, dem eine der musikalisch schönsten Szenen anvertraut ist. Mit lyrischem Tenor mit Tendenz zum Charaktertenor gibt Jorma Silvasti den fiesen Bastard Edmund mit atemberaubend intrigantem Spiel. Sein enterbter Bruder Edgar ist bei Sauli Tilikainen in guten Händen und auf guten Bariton-Stimmbändern bestens aufgehoben. Die Schwiegersöhne Lears werden von Satu Vihavianen (Albany mit rauer Stimme) und Petri Lindroos (angenehmer als Cornwall) verkörpert. Einen nur kurzen Auftritt hat Hannu Forsberg als König von Frankreich, der auch eine enterbte Cordelia als Gattin akzeptiert. Bei den Damen hat Cordelia nicht nur den besten Charakter, sondern mit Lilli Paasikivi auch die schönste Stimme mit ausgesprochen noblem Timbre, warmen Farben und präsenter Mittellage. Einen etwas anonym klingenden Sopran setzt Satu Vihavainen für die Tochter Regan ein, während Taina Piira mit einer ebenmäßig timbrierten, klaren Stimme erfreuen kann.

Bühnenbildner und Kostümbildner Markku Hakuri lässt Solisten und Chor mal in der Handlung entsprechenden, aber ironisch verfremdet, mal in Kostümen der Dreißiger auftreten, verleiht dem Geschehen so etwas Wiederholbares und Zeitloses. Eingeschlossen in ein Halbrund von Mauerwerk mit vielen Türen bewegen sich die Figuren, nur wenige Requisiten wie ein drehbares Häuschen für den Armen Tom (Edgar), ein Ährenfeld, in dem man wunderbar umherirren kann, oder Diwane für die einander nach dem leben trachtenden Schwestern beleben die Szene, die den Eindruck von hoffnungslosem Eingeschlossensein vermittelt. Regisseur Kari Heiskanen kann sich auf das komödiantische Supertalent Salminen verlassen, führt aber auch die anderen Personen des Stücks in überzeugender, sich nie vordrängender Regie. Das Ganze ist eine Prduktion, die es wahrlich wert ist, zur Kenntnis genommen und auf mitteleuropäische Bühnen gebracht zu werden. © 2015 Opera Lounge





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