Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Ingobert Waltenberger
Online Merker, March 2018

Accordion Recital: Djoric, Nikola - BACH, J.S. / SCARLATTI, D. / MOZART, W.A. / FRANCK, C. (The Accordion Album) OR0022
Cello and Accordion Recital: Topalovic, Ana / Djoric, Nikola - BEETHOVEN, L. van / PURCELL, H. / BACH, J.S. / BARTÓK, B. / PIAZZOLLA, A. (Arcord) OR0023

Inspiriert von Vokalmusik und Tänzen haben der in Wien lebende, aus Serbien stammende Musiker Nikola Djoric und seine erstklassige Cellopartnerin Ana Topalovic verschiedene Stücke für „Saiten und Knöpfe“ transkribiert. Die Kombination des samtdunklen Cellos mit dem ebenso üppig aufrauschenden, immer ein wenig an Folkore erinnernden Akkordeon ist eine veritable Entdeckung. Besonders reizvoll sind die Arien-Bearbeitungen von Henry Purcell (Klage der Dido aus Dido und Aeneas), P.I. Tchaikovsky (Arie des Lenski aus Eugen Onegin) und Heitor Villa-Lobos (Aria Cantilena aus den Bachianas brasileiras Nr. 5). Hier scheinen beide Instrumente zärtlich verträumte Duette zu musizieren. Das eindringliche, mit kräftig sattem Klang klagende Cello trägt die Melodielinien, das Akkordeon umschmeichelt und bettet den sehnsuchtsvollen Gesang in feine wie Gaze wehende harmonische Traumwelten.

Das Album beginnt verspielt mit den sieben Variationen Beethovens über „Bei Männern, welche Liebe Fühlen“ aus Mozarts Zauberflöte, Ana Topalovic gibt eine Empfehlungs-Visitenkarte als Bach Solistin in zwei Ausschnitten aus der Suite für Violoncello Solo Nr. 3 in C-Dur BWV 1009. Bei der Lied- und Tanzsparte findet das ungewohnte Instrumenten-Gespann in Dvoraks Lied „Songs my mother taught me“, Bela Bartoks sechs Rumänischen Volksliedern und vor allem Astor Piazzollas „Le Grand Tango“ extrem eindringliche Beispiele. Gemäßigt Zeitgenössisches schließt die CD ab, nämlich der sarkastisch energiegeladene „Wutmarsch“ von Johanna Doderer; Link: https://www.youtube.com/watch?v=GQDBNV9wmTs

Die CD besticht durch ein nobel aufeinander abgestimmtes, durchaus experimentelles Mischen von klanglichen Möglichkeiten der beiden Instrumente. Alle Stücke werden mit großem Stilbewusstsein fabuliert und tragen eine jeweils maßgreschneidert kalligraphierte „Handschrift“. Mein persönlicher Favorit ist Astor Piazzollas „Le Grand tango“, eine berückend sinnliche Version, die sich in die allerbesten Interpretationen dieses magischen Stücks südamerikanischer Provenienz reiht. Bitte mehr davon!

Zum ersten Mal hörte ich Bach auf Akkordeon gespielt im zugigen Aufgang der Berliner U-Bahn Station Eisenacherstraße. Da das Instrument etwas von einer Orgel hat, auch akkurat und rhythmisch kraftvoll die polyphonen Welten mit ganz eigenem Leben erfüllen kann, war ich sofort begeistert. Jetzt gibt es die Edelversion davon auf der ersten Solo-CD von Nikola Djoric zu hören. Er kombiniert das Italienische Konzert BWV 971 von J.S. Bach mit drei Sätzen aus Scarlatti-Sonaten, der Sonate in A-Moll, K 310 von W.A. Mozart und César Francks „Pastorale“ in E-Dur, Op. 19. Es ist eine ganz persönliche Auswahl, deren Klammer die jeweilige Dreisätzigkeit (Dreiteiligkeit) der Werke bzw. die sie verbindenden Tonarten bildet. Könnte mancher bei Bach vielleicht ein Mehr an rhythmisch gläserner Strenge vermissen, ist Djoric besonders bei Scarlatti, dessen berühmte Sonaten ja überwiegend auf Cembalo interpretiert werden, und auch bei Mozart, den er durchaus romantisch sieht, ganz in seinem Element. Durch den vielfältig abstufbaren Klang des Akkordeons mit enormen Obertonreichtum kann vor allem Scarlatti wie neu gehört und entdeckt werden. Die Exotik der Register eröffnen auch bei Mozart durchaus charmante, aber auch strukturell innovative Hörerfahrungen.

Im Jänner 2018 gab Nikola Djoric sein Solo Debüt in dem Goldenen Saal des Musikvereins Wien. Mit dem Programm der neuen CD wird Djoric sowohl im Berliner Konzerthaus als auch im Münchner Gasteig debütieren. Einer großen Karriere dieses auch persönlich hochsympathischen Künstlers steht wohl nichts mehr im Wege. © 2018 Online Merker



Christof Jetzschk
Klassik heute, April 2016

Alles Tango? Die aus Akkordeon und Cello bestehende Besetzung und die sinnliche Bildkomposition des CD-Covers könnten darauf hindeuten. Aber der erste Eindruck täuscht. Oder etwa doch nicht?

Unter dem Titel „ARCORD—inspired by songs and dances“ haben die Cellistin Ana Topalovic und der Akkordeonist Nikola Djoric eigene Bearbeitungen arien und tanzbezogener Werke zwischen Barock und zeitgenössischer Musik zu einem Programm zusammengestellt, das kaum experimentierfreudiger und inspirierender sein könnte, das von einer faszinierend wandlungsfähigen Gestaltungskunst der Interpreten geprägt ist—kurzum, ein Programm, das aufgrund eines wahrhaft betörenden Zusammenspiels von Ana Topalovic und Nikola Djoric und der daraus erwachsenden Klanglichkeit vollständig in seinen Bann zieht. Absolut stilsicher und dabei doch so ungezwungen bewegen sich die Zwei durch die Musikgeschichte. Ob Purcell, Beethoven, Dvořák, Bartók oder Piazzolla (dessen Grand Tango ist übrigens der einzige Vertreter seiner Art auf dieser Produktion)—Topalovic und Djoric scheinen alles begierig aufzusaugen, um es anschließend in einen neuen klanglichen und emotionalen Kontext zu stellen. Spielfreude und eine Ausdruckskraft von anspringender Intensität beweisen die Cellistin und ihr Partner am Akkordeon gleich zu Beginn in Beethoven Variationen über Bei Männern, welche Liebe fühlen und kosten dabei nicht nur die Stimmungen der einzelnen Sätze voll aus, sondern auch die Klang und Kombinationsmöglichkeiten ihrer Instrumente. Voller Poesie dann Nikola Djorics Wiedergabe der Gavotte aus Bachs Französischer Suite Nr. 5 (BWV 816) und Ana Topalovics Interpretation zweier Sätze aus Bachs Cellosuite Nr. 3 (BWV 1009). Geradezu herzergreifend ist es, wie sich die Beiden in den Arien aus Purcells Dido and Aeneas und Tschaikowskys Eugen Onegin gemeinsam die Seele aus dem Leib singen und dabei eine dynamische Gestaltung vom Allerfeinsten an den Tag legen; ebenso in Bartóks Rumänischen Volkstänzen und Piazzollas Grand Tango, in deren Rhythmen die zwei Künstler richtig aufgehen. Perfekt beherrschen Topalovic und Djoric schließlich das Wechselspiel zwischen teils ätherischer Anmut und perkussiv Harschem—man höre nur, wie könnte es anders sein, einmal mehr Piazzollas Grand Tango. Womit ich wieder am Anfang meiner Gedanken zu dieser rundum überzeugenden Veröffentlichung wäre.

Alles Tango? Dahinter verbergen sich so viele Gesichter: Poesie, Kraft, Leidenschaft, Hingabe und Kontrolle, um nur einige zu nennen. Nicht zu vergessen die Schwermut, die über allem schwebt, selbst über Heiterem, wie es in Beethovens Variationen über Bei Männern, welche Liebe fühlen hörbar wird. Versteht man unter Tango über das rein Musikalische hinaus noch die vermutlich sinnlichste Form der Zweisamkeit, so muss die anfänglich aufgeworfene Frage mit einem klaren Ja beantwortet werden. Ana Topalovics und Nikola Djorics Kunst vereint zu gleichen Teilen Harmonie und Spannung; die beiden Interpreten, oder besser gesagt ihre Instrumente verschmelzen miteinander und ergänzen sich auf das Vortrefflichste, sie begegnen sich in einer innigen Umarmung. Wunderbar! © 2016 Klassik heute





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group