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Ingobert Waltenberger
Online Merker, October 2017

Nur eine kleine Troika an Aufnahmen habe ich von dieser wunderbar subtilen Vertonung des berühmten Antikriegesepos von Rainer Maria Rilke durch den Schweizer Komponisten Frank Martin im Katalog finden können: Jard van Nes, Marjana Lipovsek, Christianne Stotijn heißen die Interpretinnen der anspruchsvollen Solopartie mit extremem Tonumfang. Nun legt Okka von der Damerau, Hamburger Wunderstimme und alsbald—ich prophezeie—so etwas wie eine „neue Jessye Norman“—nach. Ich würde diese Sängerin gerne als Kundry hören…

Gemeinsam mit der Philharmonia Zürich unter der Leitung von Fabio Luisi kann dieser auch klangtechnisch hervorragende Live-Mitschnitt aus dem Opernhaus Zürich vom Dezember 2016 als Referenz bezeichnet werden. Aus dem herzzerreißenden Soldatenschicksal des von Langenau, der nach Ungarn zieht, um dort gegen die Türken zu kämpfen und schließlich umkommt, hat Martin einen Orchesterliedzyklus von eherner Kraft und hoher emotionaler Dichte geformt. Die Soldatenballade in 23 Gesängen nach den berühmten Worten von Rilke enthält zudem die kurze Liebesgeschichte des jungen Cornets (=Fahnenträgers) Rilke mit der Gräfin in einem Schloss nahe dem Fluss Raab, wo die Schlacht von Mogersdorf (heutiges Burgenland) sich abspielte. Nach einer galanten Nacht im Turm muss er aus dem von den Türken in Brand gesteckten Gemäuern ohne Waffenrock und Helm fliehen. Auf dem nahen Schlachtfelde fällt er sinnlos durch Feindeshand.

Die Musik von Frank Martin schmiegt sich an den Text Rilkes wie eine zweite Haut. Wir finden bei moderatem Einsatz von Zwölftonreihen vor allem spätromantische und impressionistische Klangschichten. Martin behandelt den Text ähnlich wie Debussy es tat. Okka von der Damerau gelingt mit ihrem prachtvollen Alt das Kunststück, alle musikalischen Ebenen ausdrucksstark und in allen Lagen klangschön umsetzen zu können. Dabei ist das expressive Gefälle enorm und reicht von intimen rezitativischen Passagen über kammermusikalische Szenen bis hin zu mächtigen hochdramatischen Ausbrüchen (Nr. 8: Der Schrei), die an Elektra von Richard Strauss, teils an Bartok erinnern. Stets wortdeutlich (leider fehlt im Booklet der Text), überzeugt von der Damerau vor allem mit konzentrierter Erzählkunst und fein abschattierten Klangfarben. Das Orchester begleitet kongenial. Für mich ist dieses Album auch vom Repertoirewert die bisher zwingendste Neuerscheinung im Eigenverlag des Philharmonia Zürich Orchesters. © 2017 Online Merker





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