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ouverture - Das Klassik-Blog, February 2015

Das Kunsthistorische Museum Wien verfügt über eine umfangreiche Sammlung historischer Musik- instrumente. Erstaunlich viele davon sind spielbar. So stellt das Museum auf dieser CD gemeinsam mit Paladino Music das Claviorganum vor—ein Orgelklavier, bei dem ein Cembalo oder ein Tafelklavier mit einem truhenförmigen Orgelwerk kombiniert wurde. Ein solches Instrument ermöglicht ein abwechs-lungsreiches Spiel mit einer Vielzahl von Klangvarianten: Clavier und Orgel können jeweils alleine gespielt werden, oder aber gemeinsam, wobei seitens der Orgel sogar verschiedene Register genutzt werden können.

Das Claviorganum gilt als ausgesprochene Rarität; es sind nur sehr wenige Exemplare erhalten. Das ist verständlich, denn das Instrument, das jeweils als Einzelstück angefertigt wird, ist aufwendig und daher kostspielig. Es scheint noch heute gelegentlich Enthusiasten zu geben, die ein Claviorga-num in Auftrag geben. In früheren Jahrhunderten dürften es vor allem begüterte adelige Musikliebhaber gewesen sein, die sich diesen Luxus geleistet haben. So hat das Wiener Museum dieses Claviorganum aus der Fürstlich Liechtensteinschen Sammlung angekauft.

Angefertigt wurde es von dem Wiener Orgel-und Klavierbaumeister Franz Xaver Christoph (1733 bis 1793) um 1785. Es ist wohltemperiert gestimmt—was beim Tafelklavier für heutige Ohren etwas gewöhnungsbedürftig klingt. Spannend erscheint bei dem Kombinationsinstrument, dass der Musiker durch seinen Anschlag entscheiden kann, ob das Clavier oder aber die Orgel klanglich im Vordergrund steht.

Leider sind auch die Musikstücke für dieses seltene Instrument Raritäten. Deshalb hat Thomas Schmögner für diese CD Klavierwerke zusammen-gestellt, die die Stärken des Claviorganums bestens zur Geltung kommen lassen. So erklingen Präludien von Johann Georg Albrechtsberger, komponiert ausdrücklich für Kleinorgel, Präludien des jungen Beethoven, die Zeugnis geben von seiner Beschäftigung mit dem Werk Bachs, und eine Fantasie von Carl Philipp Emanuel Bach, die die Stimmung des Claviorga-nums so richtig hörbar macht. Ein frühes Beispiel aus dem Bereich der Programmmusik ist die Sonate militare von Ferdinand Kauer (1751 bis 1831), die mit Hilfe der Musik Kämpfe zwischen den Türken und den Truppen des Zaren auf der Krim darstellt.

Mozarts Fantasie in d-Moll demonstriert insbesondere den Farbenreich-tum des Instrumentes; sein berühmtes Adagio für Glasharmonika klingt darauf erstaunlich ähnlich wie auf dem Original. Das liegt aber auch mit daran, dass Schmögner echt ein Händchen hat für die Möglichkeiten des Claviorganums—und das hat durchaus seine Reize. Schlussstück der CD ist eine Fantasie von Joseph Preindl (1756 bis 1823) über Themen aus Haydns Oratorium Die Jahreszeiten. Dabei handelt es sich um ein Widmungswerk für Prinzessin Leopoldine von Liechtenstein. Sehr hübsch! © 2015 ouverture - Das Klassik-Blog





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