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Guy Wagner
Pizzicato, September 2014

Man hört nicht mehr viel von dem Schweizer Komponisten Arthur Honegger (1892-1955), der ein enger Freund des ersten Chefs des Luxemburger Rundfunkorchesters, Henri Pensis, war. Vor uns liegt nun eine CD, herausgegeben vom ‘Sinfonieorchester Basel’ selbst: wiederum ein Zeichen dafür, dass viele Orchester sich von den etablierten Produzenten abwenden und mit ihrem eigenen Label die Musikinteressierten für sich gewinnen wollen.

Auf der CD sind zwei der bemerkenswertesten Kompositionen von Honegger eingespielt: die Zweite Symphonie ‘für Streicher und Trompete ‘ad libitum », die ebenso wie die Vierte ein Auftragswerk des großen Mäzenen und Dirigenten Paul Sacher ist.

Dieses Werk brauchte fünf Jahre zum Entstehen. Es wurde 1936 begonnen, der Ausbruch des Krieges 1939 aber erschütterte Honegger so sehr, dass er nicht mit seinem Schaffen weiterkam. «… ich muss dir gestehen, dass ich wegen der traurigen Ereignisse, die wir erleben, etwas niedergeschlagen war.» Als Schweizer hätte Honegger ohne Probleme in seine Heimat zurückkehren können, doch er blieb, wie der Ire Samuel Beckett, in Paris, trotz des Krieges, der katastrophalen Niederlage Frankreichs, des Hungers und des Besatzungsregimes.

Unter diesen Eindrücken schuf er seine Zweite Symphonie nur für Streicher. Sie wird getragen durch eine Dreitonmelodie voller Trauer, und die bedrückte Stimmung hält auch im Adagio mesto an. Erst das Finale und besonders im Choral am Ende des Werkes, wirkt wie ein Aufruf zum Widerstand und beendet das Werk optimistischer.

Auch die 4 Symphonie mit dem Untertitel ‘Deliciae Basiliensis’, entstanden 1946, ist, wie erwähnt, Paul Sacher gewidmet. Sie beruht auf drei klassischen Formen: Rondo, Passacaille und Fuge und könnte als ‘Friedenssymphonie’ bezeichnet werden.

Typisch ist die Grundlage von Basler Melodien und Gebräuchen. So ist das Hebel-Gedicht ‘Z’Basel, a mim Rhi » Grundlage des Larghetto und wird denn auch in seiner ‘originalen Gestalt’ (Honegger) durch das Horn zitiert. Das dritte evoziert durch den ‘Basler Morgenstreich’ eines der charakteristischsten Ereignisse im Jahresablauf der Stadt: die Fastnacht, ein Ereignis der wirklich ganz besonderen Art, und dadurch erhält das Werk etwas so Übermütiges, wie keine andere symphonische Komposition von Honegger.

Mit unglaublichem Engagement und einer Präzision, die es nicht minder ist, spielen die Basler Musiker unter der akkuraten und engagierten Leitung von Dennis Russell Davies die beiden Werke und verstehen es bestens, deren grundverschiedenen Stimmungen wiederzugeben, zumal die Live-Aufnahme von bestechender Klarheit ist.

Kein Zweifel ist möglich: die Integrale der Symphonien von Honegger mit diesen Musikern und einem so brillanten Chef muss als neue Referenzeinspielung angesehen werden. © 2014 Pizzicato





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