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Oliver Fraenzke
The New Listener, August 2016

Cellowerke des 1937 geborenen Nikolai Kapustin werden dargeboten von Christine Rauh. Ihre Mitstreiter sind der Altsaxophonist Peter Lehel, der Pianist Benyamin Nuss, die Schlagzeugerin Ni Fan am Vibraphon sowie die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter Leitung von Nicholas Collon.

Kann man diese Musik in den Bereich des Jazz einordnen, oder gehört sie doch eher in die klassische Sparte, ist sie gar beides zugleich oder keines davon? Das Œuvre des ukrainischen Komponisten und Pianisten Nikolai Kapustin wirft immer wieder diese Fragen auf. Selbst sah sich Kapustin nie als einen Jazzpianisten, doch sagte er zugleich, er müsse dies sein, alleine wegen des Komponierens. Meist sind verschiedene der unzähligen Klavierkompositionen Kapustins zu hören, nicht bekannt hingegen sind die Werke für andere Instrumente. Dem entgegenwirkend spielte nun Christine Rauh Werke für das Violoncello ein.

Die Cellistin trumpft auf mit einer unbändigen Leichtigkeit und Spielfreude auf, die fröhlich springend beinahe an eine Operettensängerin erinnert, die mit keckem non legato ihren Ambitus austestet und dabei jeden Ton als singuläres Ereignis genießt. Auch gelingt Rauh eine selten klare und reine Tongebung auch in den hohen Lagen. Das Cantabile beherrscht die Solistin ebenso in überzeugend natürlicher und feingliedriger Weise, überrascht dabei mit recht wenig und dafür flexibel den Gegebenheiten angepasstem Vibrato, wodurch sie einem Großteil ihrer Kollegen um Längen voraus ist, bei welchen ein mechanisches Vibrato in unverhältnismäßig großem Ambitus der Regelfall ist. Allgemein ist Christine Rauh ein unverkennbarer Feinsinn zuzuschreiben, mit wachem und gewandtem Geist den musikalischen Charakter zu erfassen und unmittelbar mit dem Klang ihres Cellos darauf zu reagieren.

Die drei Mitstreiter Rauhs sind ebenso durchgehend auf hohem musikalischen Niveau und zeigen großes Verständnis für die Musik Kapustins. Peter Lehel lässt wahrlich den Spirit des Swing auferstehen im Duet for Cello and Alto Saxophone Op. 99, mit rein sanglichem und rundem Klang spielt er absolut auf Rauh abgestimmt, fühlt innerlich jeden Ton und kostet ihn voll aus. In der Sonata for Cello and Piano No. 2 Op. 84 sowie im Nearly Waltz Op. 98, der Elegy Op. 96 und der Burlesque Op. 97 ist Benyamin Nuss zu hören (übrigens Neffe von Hubert Nuss, dem gefragten Jazzpianisten). Er hält sich hauptsächlich in den sanft zurückhaltenden Gefilden auf, die er eher flächig auszugestalten weiß, wobei er durch rhythmische Finesse besticht. Vibraphon gibt es in zwei der acht Konzertetüden Op. 40, welche Christine Rauh aus dem Klavieroriginal für die Schlagwerkerin Ni Fan und sich arrangierte. Ein ganz eigener Klang entsteht in dieser ungewöhnlichen Kombination, der durchaus funktioniert. Ni Fan fliegt in schier unglaublicher Virtuosität über ihr Instrument, und das mit einer unbekümmerten Gelassenheit, in der sie ihre Stimme in aller Natürlichkeit und ohne jede „Einwirkung von außen“ gedeihen lassen kann. Gegen die bisher zu hörende Qualität mag die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter Leitung von Nicholas Collon direkt etwas plump wirken, die aufgeweckte und sprunghafte Seele der Solistin kann im Streichorchester kein Pendant finden. Zu gepresst und mit zu viel Druck, zu sehr „gewollt und gemacht“ klingt das Tutti, die unbeschwerte Freiheit geht verloren.

Die Zugabe schrieb Christine Rauh zusammen mit Benyamin Nuss, eine Hommage à Kapustin für Cello und Klavier. An die bisher erklungene Musik erinnert die Hommage in ihrer zarten Verträumtheit und breit angelegten Linie kaum, doch ist sie eine bezaubernde Nocturne, welche auch Rauhs tiefe Lagen einmal präsentiert und einen zartempfundenen Abschluss dieser ansonsten so belebten CD bildet. © 2016 The New Listener



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, April 2016

Jeder, der Klassik und insbesondere das Cello liebt und dem bei Swing und Groove das Herz höher schlägt, gibt es eine besondere Empfehlung: Der 1937 geborene in Moskau lebendeNikolai Kapustin dürfte auch vielen Klassikliebhabern, die „alles kennen“, ein unbeschriebenes Blatt sein. Der Neugierde, Hartnäckigkeit und leidenschaftlichen Fürsprache der Cellistin Christine Rauh ist es zu verdanken, dass man jetzt diese herrliche Musik entdecken und hören kann. Auf der Suche nach allem, was Kapustin für Cello geschrieben hat, ist eine Freundschaft der Solistin mit dem Komponisten entstanden. Als „Grenzgänger zwischen musikalischen Welten und Stilen“ faszinierte er Christine Rauh schon deshalb, „weil seine Musik groovy, cool, lässig-elegant, aber ebenso auch lebendig, witzig, virtuos, gerne neckisch und schelmisch ist.“ Der Komponist drückt das selber so aus: „My music should always sound cheerful.“

Und tatsächlich sind die sorgfältig ausgewählten Stücke äußerst stimmungsvoll und originell im besten Sinn des Wortes. Dafür ist u.a. anhand des Arrangements für Violoncello und Altsaxophon (Duett Op.99), der exzellenten Arbeiten für Violoncello und Klavier, die den größten Teil der CD ausmachen, und des spannenden Konzerts für Cello und Streicher Nr. 2 (das von Rauh in Deutschland erstaufgeführt wurde), vergnüglich nachzuvollziehen. Insbesondere die prächtige Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 2 zeigt, dass Kapustin selber ein exzellenter Pianist ist, der auch in amerikanischen Bars Jazz gespielt hat. Dem Komponisten als auch der Cellistin gemein ist die Vorliebe fürs Improvisieren. Während Kapustin in seinen Stücken Improvisation im Detail festschreibt, liebt Christine Rauh die Freiheiten, mit dem Instrument zu experimentieren. „Du kannst jazzige Raffinessen einbauen, ghost notes, einen kleinen tap mit der Hand auf dem Korpus des Cellos, einen beatboxartigen Chop mit dem Bogen.“

Dass das Experiment allen Beteiligten hörbar Freude bereitet hat, ist ein Markenzeichen dieser außergewöhnlichen CD. Neben Christina Rauh sind noch Peter Lehel am Altsaxophon, Benyamin Nuss am Klavier, Ni Fan am Vibraphon sowie die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter Nicholas Collon zu erleben. Am Ende spielen Rauh und Nuss eine Hommage an Kapustin. Eine solche ist wohl die ganze CD geworden, die einen zu wenig Bekannten stolz und verschmitzt zugleich vor den Vorhang bittet. © 2016 Der Neue Merker





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