Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Dr. Michael B. Weiß
Klassik heute, February 2016

Mit dieser umfassenden Edition von Béla Bartóks Werken für Violine und Klavier kann man viel Zeit verbringen. Vor allem aber lohnt es sich, die Interpretationen mehrfach zu hören. Das liegt an der Schönheit von Tanja Becker-Benders Violinton, dem vollkommen ebenbürtigen Spiel Péter Nagys und vor allem der Art und Weise, wie die beiden als Partner interagieren. In der Zweiten Sonate etwa faszinieren die emotionale Phantastik, die musikalische Vorstellungskraft, mit der diese lauschenden, verunsicherten, bisweilen hysterischen Traumgesichte realisiert werden, und nicht zuletzt, wie übrigens in allen diesen äußerst konzentrierten Deutungen, die beiden Musiker aufeinander eingehen, sich offenkundig gegenseitig zuhören und die Entwicklungen gemeinsam vorantreiben.

Deutlich wird auch, dass die beiden Partner den einzelnen Werkgenres aus unterschiedlichen Haltungen heraus begegnen. In den beiden Rhapsodien herrscht heitere Gelassenheit vor, beide lassen einen geradezu genießerischen, pastosen Ton hören, der auch etwa im finalen Presto-Kehraus („Friss“) der Zweiten Rhapsodie nichts von seiner Ausgeglichenheit und Feingliedrigkeit verliert. Die beiden großen Violinsonaten aus den 1920er Jahren hingegen entwerfen Paletten von Ausdrücken, Farben und Situationen von geradezu epischer Weite. In der Ersten Sonate realisieren Becker-Bender, Professorin in Hamburg, und Nagy, Professor in Stuttgart und Budapest, ein Höchstmaß an spielerischer Freiheit, ohne beim Umsetzen der bei Bartók stets so minutiösen Vorgaben je ungenau zu werden. Wunderbar, wie zärtlich die Akkordmixturen im langsamen Satz summen, wie reizvolle, sehr sprachmächtige Verschleifungen erscheinen, stets gespeist von untergründiger Leidenschaft, und nicht zuletzt, mit welcher überirdischen Konzentration die Schlußphase des Adagios ausgestaltet wird. Der quasi improvisatorische Gestus dieses Werkes teilt sich voll mit, allerdings kontrastiert durch die Konstruktivität der Großform, welche den Partnern in großen Bögen gelingt.

Das Hauptrepertoire, die beiden Phantasien und Sonaten, wird ergänzt durch die frühe, noch ganz klassisch-romantisch gehaltene Sonate e-Moll, weitere kleinere Stücke, sowie zwei Solosonaten. Im Vergleich zu der auch klangtechnisch sehr transparent eingefangen Sonate für Violine solo wirkt die Abbildung des Klaviers manchmal, besonders in der Tiefe, leicht dumpf, dafür aber auch klangsinnlich, keinesfalls zu stark auf das rhythmische Moment reduziert. Gerade diese beiden solistischen Ergänzungen demonstrieren die Unterschiedlichkeit der musikalischen Persönlichkeiten, die dann in den Duos so harmonisch spannungsreich zusammenwirken. © 2016 Klassik heute



Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, February 2016

Die deutsche Violonistin Becker-Bender und der ungarische Pianist Nagy spielen seit Jahren zusammen Kammermusik auf der Bühne und im Studio. Die letzte ausführliche Erkundung nicht eben ausgefallenen Nischenrepertoires, so doch noch immer eines recht wenig erkundeten Terrains der Plattenfirmen, ist der Kammermusik von Bela Bartok für Violine und Klavier gewidmet. Auf der Doppel-CD erklingen die Sonaten für Violine & Klavier Nr. 1 & 2, eine Sonate für Violine solo, die Sonate für Violine & Klavier e-moll, die Rhapsodien für Violine & Klavier Nr. 1 & 2, eine Klaviersonate, die rumänischen Volkstänze sowie das Andante A-Dur für Violine & Klavier.

Weit entfernt, mit volksliedhaften Elemente in naiver Folklore zu verharren, ist Bartok mit den vorliegenden Kammermusikwerken der Urheber hoch komplexer meisterlicher Schöpfungen sui generis des 20. Jahrhunderts, die ganz eigene Geschichten in Harmonik basierend auf archaischen Tonarten (Pentatonik, Diatonik) sowie in rhythmischer Vielfalt erzählen. Bis heute eher zaghaft rezipiert, ist die vorliegende Edition ein verdienstvoller Versuch, die außerordentliche Musik Bartoks, die eher auf eine Sonderform „impressionistischer Romantik“ als auf Zwölftonmusik verweist, Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Für mich persönlich ist Peter Nagy am Klavier in Stilistik, Feinfühligkeit und einem beredt-erzählerischen Ton unübertroffen in der Auslotung des Bartokschen Mikrokosmos am Klavier. Auch im Zusammenspiel mit Tanja Becker-Bender gelingen ihm eine Unzahl an Abschattierungen, Klangvaleurs und dynamischen Finessen, ohne die große Form aus den Augen zu verlieren, noch auf ein gewisses Maß an belcantesker Affinität verzichten zu müssen. Im Vergleich dazu ist der Ton von Frau Becker-Bender etwas direkter und bisweilen auch rauer. Ihre Urwüchsigkeit bietet einen manchmal reizvollen Kontrast zu den am Klavier ausgekosteten Lyrismen. Vielleicht geht einem dabei das eine oder andere Mal das Quäntchen an Sanglichkeit ab, das dem Tänzerisch-Leichten die träumende Sehnsucht, der Form die Autobiographie, der Musik ihren Glanz gäbe.

Auf jeden Fall legt der SWR damit eine interessante Veröffentlichung vor, die die volle Aufmerksamkeit des Publikums verdient. © 2016 Der Neue Merker





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group