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Album Reviews



 
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Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, March 2016

Stéphane Denève und seine technisch hervorragenden Musiker des SWR (Orchester und Vokalensemble) stellen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Erarbeitung aller Orchesterwerke von Ravel einmal mehr unter Beweis. Von der frz. Fachpresse (Diapason) vor allem und zu Recht wegen der großen Partiturtreue, dem Nuancenreichtum und der großartigen Klangregie hochgelobt, erschließen sich dem Hörer nach und nach der Farbenreichtum und die unzähligen Finessen dieser magisch-mysteriösen Musik. Aus absoluter Stille, ähnlich wie beim Rheingold, lässt Ravel die „Danse religieuse“ erstehen, das Orchester von den Vokalisen des Chors umschmeichelt. Die Feierlichkeit des Beginns wandelt sich bald in die Danse générale und die „Danse grotesque de Dorcon“. Wurde von Ravel erwartet (Choreograph Michail Fokine), möglichst den Charakter antiker Musik wieder zu beleben, so schuf er statt dessen ein ganz gewaltiges urfranzösisches Meisterstück an impressionistischen Klängen. In drei Teilen wird die Liebesgeschichte des Ziegenhirten Daphnis und der Schäferin Chloé erzählt, vom fröhlichen Fest in der Felsengrotte, der Entführung der Angebeteten durch Piraten und dem Gott Pan, der die Liebenden in einem strahlenden Sonnenaufgang wieder zueinander führt. Dieser hatte sich bekanntlich aus dem Schilfrohr, in das sich die vor dessen Liebe fliehende Nymphe verwandelt hatte, die berühmte Flöte gebunden. Dieses Instrument bildet auch den klanglichen Faden, um den sich neben Streichern, dem Holz und Blech auch Trommeln, Becken, Triangel, Kastagnetten, Glockenspiel, Tamtam, antike Zymbeln, Celesta, Windmaschine und der wie eine Orgel eingesetzte Chor ranken.

Dem Chefdirigenten des SWR, Stéphane Denève, gelingt eine Interpretation, in der sowohl die malerisch, wie Arabesken spielerisch gezeichneten Aspekte der Partitur als auch die dramatische, dem Ballett gewidmete Geschichte gleichermaßen Gestalt annehmen. Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart spielt brillant, ohne das letzte Geheimnis zu verraten, diese einzigartigen Traumhörbilder nachschaffend, denen sich auch der Hörer hingeben soll und darf. Die Aufnahmetechnik bildet die dionysisch-bukolische Mär räumlich bestens ab, wobei eine akustische Grundtendenz zu transparenter Kühle besteht. Letztere wiederum steht dem grandiosen Ballett als auch den die CD ergänzenden Valses nobles et sentimentales an sich gut an. Der Folge aus acht Walzern, in Anlehnung an die gleichnamigen Kompositionen von Franz Schubert geschrieben, wurde erst in der Orchesterfassung der große Erfolg beschieden, den sie verdient. Ein klein wenig runder und flott schwingender hätte die Wiedergabe allerdings schon sein können. Mir scheinen hier die gewählten Tempi etwas zu schwer geraten zu sein. © 2016 Der Neue Merker




Remy Franck
Pizzicato, March 2016

Von Maurice Ravels Ballett ‘Daphnis et Chloé’ dirigieren die meisten Dirigenten nur die Suiten. Sie sind kürzer und, weil effektvoll, einfacher zu gestalten. Stéphane Denève scheut das ganze Ballett nicht und legt mit dieser Einspielung eine sehr gute Interpretation vor. Er entfacht nicht so viel Feuer wie Nézet-Séguin, aber es gelingt ihm vorbildlich, das Mysteriöse und Sensuelle der Partitur herauszuarbeiten und so eine packende Spannung aufzubauen, die sich mehrmals in schnelleren Teilen entladen kann, um dann in der ‘Danse générale’ in ekstatischem Elan zu explodieren.

Auch in den ‘Valses Nobles et Sentimentales’ zeigt Denève einen raffinierten Gestaltungssinn, der beim SWR Orchester die richtige Antwort findet. An die Boulez-Aufnahme kommt er nicht heran, auch Nagano kann er nicht überbieten, aber es ist eine schöne Einspielung mit viel Poesie und schönen Stimmungen. © 2016 Pizzicato



Rasmus van Rijn
Klassik heute, March 2016

Wäre es möglich, dass Stéphane Denève nach schönen, wohlverdienten Erfolgen, die er vor allem im Umgang mit den französischen Meistern des 20. Jahrhunderts erringen konnte—wäre es möglich, dass er, bei seinem dritten Ravel-Album angekommen, im Vertrauen auf die früheren Erfolge der Routine ein wenig zu viel Raum gelassen hat? Wäre die bewundernswerte Kunst der Detailarbeit bei der aktuellen Produktion zur Selbstverständlichkeit und damit zu einem gewissen „laissez faire” geworden? Mir fiel jedenfalls schon beim ersten Hören auf, dass der kalkulierte Rausch, diese für Maurice Ravel so ungemein typische „Unmöglichkeit”, in der vorliegenden Einspielung des Ballettes Daphnis et Chloë nicht so recht wirken wollte. Schön klingt die Musik, sauber und unanfechtbar etwa in den verschiedenen Horn- und Posaunensoli, deren Ausführende nicht nur die absurden Höhen erreichen, sondern auch bravourös halten. Der Chor ist gleichermaßen untadelig ins orchestrale Gefüge eingebettet, erreicht aber vor allem im Finale nicht jenen ekstatischen Jubel, der den Hörer endgültig aus dem Sessel reißen würde. Und genau da liegt’s: Das Mitreißende der Nuancen, die kaum merklich gehauchten Atemzüge, diese immer wieder zum Walzer drängende Geschmeidigkeit—was Denève in den vorigen Veröffentlichungen durch die minutiöse Befolgung des Notentextes so ungemein überzeugend erreicht hat, das bleibt hier in einem Ungefähr, wie auch die nähere Inspektion der Partitur bestätigt. Längst nicht jedes pianissimo ist ein solches, manches crescendo vom p zum ff beginnt schon beim mf und erreicht nur ein f—man darf uns eben nicht erst mit den graziösesten Schattierungen und Gesten verwöhnen und sich dann wundern, wenn wir sie uns nicht wieder wegnehmen lassen wollen.

Auch im kleineren Format der Valses nobles et sentimentales vermisse ich etwas von dem wundersamen Elixier, das aus einer ordentlichen Wiedergabe eine jener magischen Unwiderstehlichkeiten hervorzaubert, die uns die Stuttgarter unter ihrem derzeitigen Chef bereits beschert haben. © 2016 Klassik heute





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