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Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, April 2016

Klar hat es diese legendären Rundfunkaufnahmen schon als Raubmitschnitte aller möglichen Art auch schon auf LP gegeben. SWR music bringt die beiden unter eher schwierigen Aufnahmebedingungen 1952 (KV 271 Straßenbahner-Waldheim in Stuttgart Degerloch) und 1956 (KV 459 Ludwigsburger Schlosstheater) entstandenen Mitschnitte nun erstmals auf Basis der SWR-Originalbänder digital remastered auf den Markt. Sie ergänzen eine Vielzahl an Mozart-Aufnahmen der großen Clara Haskil, die in den 50-er Jahren für das Label Philipps entstanden sind.

Clara Haskils Mozart-Spiel ist für mich, was den Zauber an natürlich fließendem Musizieren und der Geschlossenheit des klanglichen Kosmos anlangt, unübertroffen. Ihr perlend klarer, der romantischen Tradition verpflichteter Interpretationsstil vermag das Ohr trotz technisch unzulänglicher Flügel und trockener Akustik so zu bannen, dass wer einmal davon infiziert wurde, nie wieder davon loskommt. Ich kann ihr schwebendes, feenhaftes Spiel unter tausenden anderer Pianisten sofort erkennen. Besonders die langsamen Sätze (Andantino KV 271) verströmen eine Ruhe und himmlische Melancholie, die ganz und gar unvergleichlich der großen in Wien und Paris ausgebildeten rumänischen Künstlerin zueigen sind. Nicht glänzende Technik ist das Attribut, das Clara Haskil charakterisiert, sondern ein leichter, jeglicher Schwerkraft enthobener Mozartstil, ein duftig-poetischer Anschlag, ein lichtgetränktes Innehalten und Einswerden. Vielleicht hat Haskil trotz aller Schwere ihres Schicksals letzterem zumindest für Augenblicke ein spielerisches Schnippchen schlagen oder vielleicht sogar kurz keck die Zunge zeigen können. Ganz im Mozart‘schen Stil versteht sich. Ein Privileg aller Nachgeborenen, dieser edlen Künstlerseele zumindest auf Tonträger lauschen zu dürfen.

Der Dirigent Carl Schuricht ist ihr mit seinem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR ein kongenialer Begleiter. Das Orchester darf sich nicht nur als sanft gewobener Klangteppich entrollen, sondern konzertierend dem Soloinstrument adäquate dynamische Akzente zuwerfen.

Ein Klavierspiel für die Ewigkeit, letztlich unbeschreibbar und kostbar wie alles Schöne, das die Achsen in Raum und Zeit unmerklich verschiebt. Wo sogar die „alte Dame Vergänglichkeit“ kurz anhält und verblüfft lauscht, bevor sie langsam aber stet weiterschreitet. © 2016 Der Neue Merker





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