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ouverture - Das Klassik-Blog, December 2016

Die Weihnachtslieder auf dieser CD führen den Hörer quer durch Europa. There is no rose und Verbum Patris humanatur sind Beispiele für alte britische Carols; entstanden sind sie im 15. Jahrhundert. Texte aus dem Mittelalter verwendete auch Benjamin Britten (1913 bis 1976), als er A Ceremony of Carols schrieb. Die Frauenstimmen des SWR Vokalensembles Stuttgart werden hier durch Maria Stange, Harfe, begleitet (die brillant spielt!); ansonsten sind auf dieser CD ausschließlich A-cappella-Kompositionen zu hören.

Auch der estnische Komponist Arvo Pärt (*1935) ist mit einem Zyklus vertreten, der an mittelalterliche Gesänge anknüpft: In der Vesper der sieben letzten Tage vor dem Heiligen Abend wird der kommende Messias mit den sogenannten O-Antiphonen angerufen. Sie beginnen jeweils mit einer der sieben Anreden, die dem Alten Testament gemäß die Propheten für den Messias gebraucht haben, rühmen sein zukünftiges Wirken und enden mit dem Ruf: „Veni!“„Komm!“ Arvo Pärt hat, in seiner unnach-ahmlichen Weise, die bildhaften Texte dieser Sieben Magnificat-Anti-phonen in Musik umgesetzt, der man sich nicht entziehen kann.

Francis Poulenc (1899 bis 1963) nutzte für seine Quatre motets pour le temps de noël ebenfalls alte Texte in Kirchenlatein, aber er dachte sie gänzlich französisch—in Melodie, Rhythmus und Betonung. Dazu setzte er auf eine spannungsvolle Harmonik; die vier Motetten bezaubern durch mystische Tiefe und durch ihren Reichtum an Klangfarben.

Diesen drei bedeutenden weihnachtlichen Chorzyklen hat Chorleiter Marcus Creed noch einige weitere Weihnachtslieder beigesellt. Drei Weihnachtliche Liedsätze von Heinrich Kaminski (1886 bis 1946) erscheinen zunächst ziemlich konventionell, doch bei genauerem Hinhören fällt bald auf, dass ihre Schlichtheit und Anmut ausgesprochen kunstvoll erschaffen worden ist. Sie verbinden Kontrapunktik der alten Schule mit romantischer Harmonik. Für Kirchenchöre, die auf Qualität schauen und trotzdem einmal etwas Neueres singen wollen, ein echter Geheimtipp!

Die CD endet mit Es ist ein Ros entsprungen in einer Fassung, die den altbekannten Chorsatz von Michael Praetorius (1571 bis 1621) in einen neuen Rahmen stellt: Der schwedische Komponist Jan Sandström lässt das Original stark verlangsamt erklingen, umhüllt von einem Summchor. Eine interesssante und sehr skandinavische Variante.

Das SWR Vokalensemble unter Leitung von Marcus Creed findet zu jedem dieser sehr unterschiedlichen Werke einen Zugang. Gesungen wird stilsicher, kraftvoll und lebendig. Die Sängerinnen und Sänger agieren ausgesprochen souverän sowie mit Engagement und Freude. Bravi! © 2016 ouverture - Das Klassik-Blog



Ekkehard Pluta
Klassik heute, July 2016

Bis Weihnachten ist es zwar noch eine Weile hin, aber Musikfreunde, die nicht Jahr für Jahr dieselben Stücke zum Fest auflegen wollen, können sich diese Veröffentlichung des SWR schon einmal vormerken. Es handelt sich um a-cappella-Chöre von Komponisten des 20. Jahrhunderts, deren einzige Gemeinsamkeit darin besteht, dass sie sich auf alte, überwiegend mittelalterliche Texte beziehen.

Auf die alte englische Tradition des öffentlichen „Carol Singing“ besinnt sich Benjamin Britten in seinem 1942 auf einer ungemütlichen Schiffsreise entstandenen Zyklus A Ceremony of Carols. Es handelt sich um mehr heitere als besinnliche Gesänge von volksliedhafter Eingängigkeit und teilweise tänzerischer Beschwingtheit. Dem reinen Frauenchor ist hier eine Harfe beigesellt, wodurch der Eindruck himmlischer Heerscharen suggeriert wird. Francis Poulenc verbindet in den Quatre motets pour le temps de noël altehrwürdige kirchenlateinische Texte mit der Eleganz und Sinnlichkeit der französischen Sprachmelodie. Arvo Pärts Sieben Magnificat Antiphonen (1988) changieren zwischen Archaik und Moderne. Die deutschen Texte sind Anrufungen des Messias unter verschiedenen Namen, liturgisch der Vesper der letzten sieben Tage vor dem Heiligen Abend folgend.

Auf vertrautem Terrain befindet sich der deutsche Hörer mit drei weihnachtlichen Liedsätzen von Heinrich Kaminski (1886–1946), der populäre Melodien mit elaborierter Kontrapunktik aufputzt, ohne sie zu verfremden. Letzteres gelingt dem Schweden Jan Sandström (Jg. 1954) auf faszinierende Weise, indem er dem bekannten Lied Es ist ein Ros' entsprungen von Michael Praetorius, das er in slow motion wiedergibt, einen Summchor gegenüberstellt, der einen eigenartigen Raumklang schafft. Man glaubt, ein fernes Orchester, gar eine Orgel zu vernehmen.

Das in allen Stimmlagen gleichermaßen überzeugende SWR Vokalensemble Stuttgart unter Marcus Creed stellt hier ein weiteres Mal seine hohe Klasse unter Beweis. Der Vortrag ist reich an farblichen und dynamischen Abstufungen und zeigt ein sicheres Gespür für die stilistischen Unterschiede der Werke. © 2016 Klassik heute





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