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Album Reviews



 
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Götz Thieme
Opernwelt (Germany), January 2017

Vocal Recital (Tenor): Wunderlich, Fritz - MILLÖCKER, C. / LORTZING, A. / NICOLAI, O. / LEHÁR, F. / STRAUSS II, J. / FALL, L. / STOLZ, R. 900314
Vocal Recital: Wunderlich, Fritz - BACH, J.S. / HANDEL, G.F. / BUXTEHUDE, D. / SCHÜTZ, H. / TELEMANN, G.P. (Festive Arias) SWR19026CD

Ein Jahrzehnt blieb Fritz Wunderlich für das, was man pauschal eine Karriere nennt. Er setzte an, sie zu einer Weltkarriere zu weiten. Am 8. Oktober 1966 sollte der Tenor an der New Yorker Metropolitan Opera debütieren, als Don Ottavio in Mozarts «Don Giovanni». Wenige Tage vor der Abreise beendete ein grotesker Unfall im Haus eines Freundes im Kraichgau, wo der Künstler Kraft tanken, auf die Jagd gehen wollte, sein Leben.

Wie Mozart starb Fritz Wunderlich kurz vor dem 36. Geburtstag. In der Dekade davor stand er rastlos im Aufnahmestudio; mittels etlicher Live-Mitschnitte lässt sich die rasante Entwicklung der reichen, charakteristisch timbrierten Stimme gut verfolgen. Zwei CDs, veröffentlicht aus Anlass des 50. Todestages, dokumentieren den mittleren (SWR Music) und reiferen Wunderlich (BR Klassik). Beide Rundfunkanstalten haben nun offiziell herausgegeben, was bislang nur auf Raubkopien erhältlich war, darunter auch Unveröffentlichtes wie eine Produktion von Eduard Künnekes «Lied vom Leben des Schrenk» 1962, entstanden fünf Monate vor der berühmten EMI-Produktion.

Im Wesentlichen bewahren beide Aufnahmen die gleiche Artikulationsintelligenz und erzählerische Verve des Sängers; wobei das Bayerische Staatsorchester über mehr tonliches Gewicht und Glanz als das Rundfunkorchester gebietet und das hohe C am Schluss mehr Sicherheit besitzt, obwohl es ein Grenzton dieses überreich begabten Sängers war. Was am «Schrenk-Lied» so fasziniert—die Wortgenauigkeit, der Schwung, den das Textrelief der Melodie verleiht—, ist beinahe noch verblüffender in dem Schlager «Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau'n» von Robert Stolz zu hören, aufgenommen bei den Münchner Sonntagskonzerten im Februar 1966. Die Ausgabe des Labels BR Klassik mischt Operette und Unterhaltung mit deutscher Spieloper. Beinahe jede der 16 Nummern wäre einen eigenen detaillierten Kommentar wert. Bei den Liedern des René aus Millöckers «Gräfin Dubarry» (1962) hat sich Wunderlich offenkundig an Richard Tauber-Platten orientiert. Lehárs «Schön ist die Welt»-Eskapismus fängt er durch genaue Phrasierung und ein saftiges, aber nicht angeberisch- prunkendes hohes B ein.

Die Lortzing- und Nicolai-Arien veredelt Wunderlich mit Schlichtheit und hoher Legato-Kultur; durch Sostenuto und Schattierung nur einer Note öffnet er sinnfällig Bedeutungsräume («Horch, die Lerche singt im Hain» aus den «Lustigen Weibern»). Auch wenn der Tenor die Bewertung der Technik des Singens für übersteigert hielt, wusste er doch genau, wie er seine Mittel einzusetzen hatte. In einem Rundfunkinterview demonstrierte er einmal, wie er alle Vokalfarben aus einem Grundklang entwickelt: allein durch Änderung der «Resonanzstellung », wie er das nannte. Allerdings führte das bei ihm nicht (wie gelegentlich bei Elisabeth Schwarzkopf) zu hässlichen Unschärfen, im Gegenteil: Korrekte Lautung machte ihn zu einem der textverständlichsten Sänger. Hinzu kam Agilität für rasch gebundene Musik, sie ist festgehalten in den «Festlichen Arien» (SWR Music) mit Musik von Schütz bis Telemann. Mühelos manövriert Wunderlich 1959 seinen zwar lyrischen, aber in der Textur dicht gewobenen Tenor durch die Koloraturen der «Alle Tale»-Arie aus Händels «Messias», mit buttrig gesponnenen Liegetönen trifft er ins Herz der Musik. Orphische Dimensionen, tragische Verschattungen finden sich im Arioso «Schau hin und sieh!» aus dem gleichen Oratorium. Erhellend ein frühes Dokument, das den 25-Jährigen, da war er gerade Mitglied des Ensembles der Stuttgarter Staatsoper geworden, mit Ausschnitten aus Bachs «Weihnachtsoratorium» festhält; noch etwas jugendlich-weiß die Stimme, geht er energisch in die Koloraturen der «Hirten»-Arie. Ein, zwei kleine Schatten ausgenommen, ist das erstaunlich selbstbewusst und künstlerisch zielgerichtet—Wunderlich trifft Gestus und Affekt genau. Obwohl die Instrumentalbegleitung in Ausschnitten aus geistlichen Werken von Buxtehude, Schütz und Telemann nicht auf der Höhe ist, glänzt der Tenor, stilistisch angemessen, auch in diesem Repertoire. © 2017 Opernwelt (Germany)



Rüdiger Winter
Opera Lounge, August 2016

Wachet auf, ruft uns die Stimme: Allein diese Kantate von Dietrich Buxtehude lohnt die Anschaffung einer neuen CD mit „festlichen Arien“, gesungen von Fritz Wunderlich. Sie ist bei SWR Musicerschienen, einem Label, das Zugang zum Archiv und damit zu den Originalbändern dieses Senders hat (SWR19026CD). Zu hören sind nicht nur Arien sondern auch Chöre, Ensembles, Rezitative. Neben Buxtehude gibt es Ausschnitte aus Bachs Weihnachtsoratorium, Händels Messias, zwei Weihnachtsmotetten von Schütz sowie die Kantate Warum verstellst du die Gebärden? von Telemann. Aus inhaltlichen Bezügen in den Werken erklärt sich die Einordnung der Arien als festlich. Lange ist es nicht mehr hin bis Weihnachten. Für Sammler, die sich mit Wunderlich befassen, ist die Kantate von Buxtehude, die 1956 eingespielt wurde, nicht neu. Sie ist in den Sammlungen von The Intense Media enthalten und kursiert auch im Internet. Nun erfährt sie quasi ihre offiziellen Weihen. Das ist nicht nur ein formaler Vorgang sondern in erster Linie ein künstlerischer. Erst durch dem Rückgriff auf das akustische Original und sein diskreter Remastering offenbart sich die musikalische Struktur des Werkes. Wunderlich mit seinem unverkennbaren Tenor bildet gemeinsam mit Hanne Münch (Alt) und Hermann Werdermann (Bass)—nur begleitet von zwei Violinen, Violoncello, Kontrabass und Cembalo—ein Ensemble, das mit Schwung und Fülle eine unglaubliche Pracht entfaltet. So durchsichtig und in sich gestaffelt ist die Kantate bisher noch nicht zu hören gewesen. Ein Eindruck, der sich auch aus den übrigen Programmteilen ergibt. “Die Seele zum Klingen bringen”, titelt der Musikjournalist und Stimmenkenner Thomas Voigt denn auch folgerichtig seinen Essay im Booklet, aus dem viel über die Kunst Wunderlichs zu erfahren ist. Schade, dass aus Weihnachtsoratorium und Messias nur Bruchstücke ausgewählt wurden. In der Reduzierung auf den Tenor büßen beide Chorwerken erheblich ein. © 2016 Opera Lounge





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