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Album Reviews



 
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Michael Loos
www.klassik.com, June 2017

Florian Uhlig setzt seine Einspielung französischer Werke für Klavier und Orchester fort—diesmal mit Konzerten von Ravel, Taillefere, Nadia Boluanger und Francaix. © 2017 www.klassik.com




Remy Franck
Pizzicato, April 2017

Bereits vor vier Jahren veröffentlichte Florian Uhlig bei SWRmusic eine erste CD mit französischen Klavierkonzerten. Jetzt folgt eine nicht weniger interessante und nicht weniger gut musizierte zweite Folge mit denselben Interpreten.

Eröffnet wird das Programm mit einer düster-bedrohlichen Version. Es folgt eine sehr inspirierte Ballade von Germaine Tailleferre (1892–1983), dem einzigen weiblichen Mitglied des ‘Groupe des Six’. Mit der ‘Ballade’ schuf sie ein gleichermaßen modernes wie klassizistisches Werk, das hier in einer sehr ausdrucksstarken und entsprechend eindringlichen Interpretation zu hören ist.

Genauso wenig gespielt wie das Werk von Tailleferre wird die ‘Fantaisie variée’ von Nadia Boulanger, ein Klavierkonzert, das die Musikerin in jungen Jahren komponierte, als sie noch von einer Karriere als Komponisten träumte. Dieser Traum zerbrach mit dem frühen Tod ihrer Schwester Lili im Jahre 1918. Nadia wandte sich nach diesem Schicksalsschlag dem Unterrichten zu. Die Fantasie ist das einzige Orchesterwerk in Nadia Boulangers kleinem Werkkatalog. Von rhythmischer Gladiatorenmusik ebenso gezeichnet wie von lyrischen Kantilenen, ist das Werk sicher ein Patchwork verschiedener Einflüsse, die Nadia Boulanger in einem unmittelbar ansprechenden Werk vereint hat.

Uhlig und Gonzalez werten es spannungsvoll auf und zeigen, dass diese Komposition definitiv ins Repertoire gehört.

Abschließend folgt das Klavierkonzert von dem Boulanger-Schüler Jean Françaix. Es reflektiert das Vergnügen, das der Komponist beim Komponieren empfand, weil er nicht, wie er sagte, die « Autobahnen des Intellekts, sondern die Waldwege » wählte. Der französische Komponist hatte immer den Schalk im Nacken. Auch das Klavierkonzert sprüht von Witz und Leichtigkeit und zeigt gleichzeitig eine sehr subtile Orchestrierungskunst, die die unterhaltsamen Themen veredelt.

Florian Uhlig und Dirigent Pablo Gonzalez bringen zusammen mit der hier wie auch in den anderen Stücken hervorragend spielenden Deutschen Radio Philharmonie genau den Esprit auf, den dieses Werk braucht, um zum geistreich-anregenden Divertimento zu werden. © 2017 Pizzicato



Martin Blaumeiser
Klassik heute, March 2017

Hatte Florian Uhlig für seine erste CD mit französischen Klavierkonzerten (Hänssler CD 93.302, 2012) allgemein großes Lob geerntet, so verdient diese gewissermaßen als repertoire-ergänzende „Fortsetzung“ zu verstehende Neuaufnahme mit derselben Besetzung eine differenziertere Kritik.

Zunächst einmal besteht doch ein nicht zu vernachlässigender Unterschied im eingespielten Repertoire. Konnte man—bei aller Verschiedenheit der jeweiligen Personalstile—drei der vier dort vereinigten Werke (Poulencs Klavierkonzert, Françaix‘ Concertino und Ravels G-Dur-Konzert) dem Neoklassizismus zuordnen, passt dies für die vorliegende CD so nicht. Einzig Françaix‘ Concerto gehört eindeutig in diese Kategorie. Im Gegensatz zum praktisch gleichzeitig entstandenen G-Dur-Konzert aber rekurriert Ravels Klavierkonzert für die linke Hand bei aller vorhandenen (Selbst-)Ironie doch klar auf das eher „dramatische“ Konzert der Spätromantik. Dasselbe lässt sich vom vielleicht konventionellsten der hier präsentierten Stücke, Nadia Boulangers bereits 1912 entstandener Fantaisie, und unter gewissen Aspekten selbst von der Ballade Germaine Tailleferres, der einzigen weiblichen Komponistin der Groupe des Six, behaupten.

Der farbige Klang von Françaix‘ konzentriert-viersätzigem Klavierkonzert (1936) bewegt sich auf engstem Raum zwischen fast kammermusikalischen Passagen und „großer“ Geste—dies freilich relativ zum eher sparsam besetzten Orchester zu verstehen. Und das scheint allen Beteiligten—vor allem dem Dirigenten Pablo González—sehr entgegen zu kommen. Dazu passt ein unaufgeregter, rhythmisch nuancierter, aber in strikten Tempi gehaltener Orchestervortrag. Auch der Solist fügt sich nahtlos in diese Musizierhaltung ein. Als Ergebnis hören wir gänzlich uneitle, witzige Musik, die einfach nur Spaß macht—genau so hatte sich das auch der Komponist gedacht.

Leider übertragen die Interpreten jedoch dieses Konzept auch auf Ravels Konzert—und hier geht die Rechnung nicht auf. Florian Uhlig gelingt zwar über weite Strecken perfekt die von Ravel gewünschte Illusion beidhändigen Klavierspiels. Auch werden die Charaktere einzelner Motive mit differenzierten Klangfarben belegt, wenngleich der Pianist längst nicht alle sich bietenden Möglichkeiten von Resonanzen auszunutzen versteht. Der absolute Verzicht auf jegliche Agogik—die Tempi werden geradezu metronomisch starr durchexerziert—steht allerdings dem dramatischen, und über weite Strecken ja auch ernsthaften Gestus der Musik fast schon diametral entgegen. Kaum verwunderlich, wirken dann sämtliche Steigerungen und Überraschungsmomente, die dieses fabelhaft komponierte Stück bereithält, wie abgewürgt. So gespielt wird selbst die berühmt-berüchtigte Kadenz mit dem eigentlich explosiven Schluss zum absoluten Langweiler. Lob gebührt hier einzig den vortrefflichen Bläsersolisten der Deutschen Radio Philharmonie.

Auch Nadia Boulangers Fantaisie hat man schon tiefer empfunden gehört. Tatsächlich zeigt die Komponistin, die sich ja selbst immer im Schatten ihrer allzu früh verstorbenen Schwester Lili verortete, hier noch keinen eigenen Stil, sondern knüpft—durchaus wirkungsvoll—an Debussy, Franck oder russische Spätromantiker an. Nebenbei bemerkt: Nadias Lieder aus den frühen 1920er Jahren lassen zu Recht aufhorchen—kurz bevor die dann ja weltberühmte Pädagogin dem Komponieren den Rücken kehrte. Die Fantaisie ist formal ein Variationssatz, indem die Facetten eines ernsten, modal angehauchten Themas von verschiedenen Seiten beleuchtet, aber nicht etwa Charaktervariationen herausgebildet werden. Erschreckend, wie brachial-teutonisch hier die zahlreichen Forte-Stellen vom Blech und einer gänzlich unsensiblen Schlagwerkgruppe dargeboten und so ihrer eigentlichen Wirkung beraubt werden—hatte der Dirigent keine Zeit, sich darum zu kümmern? Dem kann auch der Solist kaum entgegenwirken. Das französische Orchester der Vergleichsaufnahme zeigt, was bei diesem Stück möglich gewesen wäre.

Mangels Konkurrenz wird dann die Tailleferre-Ballade aus Repertoire-Gründen interessant. Ein völlig zu Unrecht unbekannt gebliebenes Werk, meisterhaft—wenn auch stellenweise recht dick (Glockenspiel etc.)—instrumentiert und formal bestechend. Anmut und Leidenschaft halten sich hier die Waage. Klanglich ist das Werk noch ganz dem Impressionismus—am nächsten dem etwa eines Manuel de Falla—verpflichtet. Ganz erstaunlich zeigt das nur zwei Jahre später entstandene Klavierkonzert dann bereits Tailleferres neoklassizistische Seite, extra-dry und den Intentionen der Groupe des Six entsprechend. Aber diese Einspielung taugt gerade mal zum Kennenlernen; französischer Esprit bleibt leider auch hier weitgehend auf der Strecke.

Fazit: Ein bestechender Françaix und zwei „Gender“-Werke, die an sich neugierig machen. An maßstabsetzende Einspielungen von Ravels Concerto pour la main gauche kommt Uhligs Aufnahme aber keinesfalls heran. Vielleicht sollte man dem Pianisten hier aber eine zweite Chance geben—mit einem inspirierteren Orchester und Dirigenten. Das Booklet und die Aufnahmetechnik sind mehr als ordentlich. © 2017 Klassik heute





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