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Album Reviews



 
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Ulrich Hermann
The New Listener, February 2018

Vocal Music (Baroque) - SENFL, L. / SCHÜTZ, H. / ROSENMÜLLER, J. / BUXTEHUDE, D. (Music before Bach) (Wunderlich) SWR19051CD
Operetta Arias - LEHÁR, F. / KÁLMÁN, E. / FALL, L. / STOLZ, R. (Wunderlich) (Original SWR Tapes) SWR19038CD
Vocal Recital (Tenor): Wunderlich, Fritz - ANDERS, H. / MEISEL, W. / GROTHE, F. / INCZÉDY, T. / KAISER, E. (Hits from the 50s) (1953-1965) SWR19029CD

Mein erstes Erlebnis mit Fritz Wunderlich: 1962 (?) im Münchner Prinzregententheater, „Die Entführung aus dem Serail“ mit Fritz Wunderlich als Belmonte! Glücklicherweise gibt es diese Aufführung inzwischen auch als Konserve zum Nachhören und sich daran Freuen.

Aber das, was derzeit aus den Archiven des SWR auf CD neu erscheint, ist gelinde gesagt eine Sensation: Dass Fritz Wunderlich Bach, Mozart usw. gesungen hat, ist allbekannt, aber dass er—vor allem in seiner Anfangszeit in Freiburg, das damals ein Zentrum für Alte Musik war, allerdings noch nicht historisch-hysterisch „verbrämt“—auch Stücke von Ludwig Senfl, Heinrich Schütz, Johann Rosenmüller und anderen vorbachischen Zeitgenossen gesungen, und vor allem wie er das gesungen hat, ist eine Entdeckung ersten Ranges. Schon damals hatte die Stimme jenen „wunderlichen“ Glanz, jene mühelose Höhe bis hin zum Falsett, und vor allem hatte er diese unglaubliche Musikalität in sich, die alle seine Aufnahmen wieder und wieder zeigen und beweisen. Ob als Solist begleitet von einem Streichquartett—wie bei den Lieder von Senfl und Zeitgenossen—oder als Mitglied eines Gesangs-Ensembles, immer wieder besticht seine Fähigkeit, sich dem Gesamtklang einzufügen, ohne seine stimmliche Individualität zu verleugnen oder über Gebühr zu betonen. Auch die makellose Textverständlichkeit—bei ach so vielen Sängerinnen und Sängern ein unverzeihliches Manko—ist bei Fritz Wunderlich natürliches Merkmal, bei aller Stimmschönheit ist sie stets dabei, wenn sich Musik und Poesie geschwisterlich vereinen. Erst dann, und das zeigen diese drei CDs mit Musik vor Bach, Operetten-Arien und deutschen Schlagern der 1950er Jahre. ist das Gipfel-Erlebnis möglich in dem Sinne, in welchem Hans Gal in seinem Buch über „Schubert und die Melodie“ spricht.

Und dann ist es auch völlig gleichgültig, ob Fritz Wunderlich Klassisches oder „Unklassisches“ wie Operetten oder Schlager singt. Es gibt eben nur zwei Arten von Musik, und zwar nicht E-Musik und U-Musik—eine völlig blödsinnige Unterscheidung meines Erachtens—sondern gute und schlechte Musik. Und wenn solch ein Ur-Musiker und Ur-Musikant, wie Fritz Wunderlich einer war, der übrigens auf einigen Takes auch selbst Trompete spielt und ursprünglich Horn studierte vor seiner Gesangsausbildung, wenn so einer sich an Lieder von alten Komponisten, Kompositionen mit vorbachischer geistlicher Musik, Operetten von Lehár, Kálmán und anderen oder gar an damals so populäre Schlager macht, dann werden diese zu Diamanten und es ist ein Vergnügen, sich all diese Überspielungen alter SWR-Mitschnitte wieder und wieder zu Gemüte zu führen—zumal so besonnen und bedacht „restauriert“ von zwei Könnerinnen bzw. Könnern, nämlich Gabriele Starke und Boris Kellenbenz, denen dafür unser spezieller Dank gebührt. © 2018 The New Listener



ouverture - Das Klassik-Blog, April 2017

Fritz Wunderlich war ein Phänomen. Im Beiheft zu dieser CD kann man erfahren, dass der Tenor in Kindheit und Jugend eine harte Schule erlebte. Denn schon als Kind musizierte er gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Schwester—um Geld zu verdienen; der Vater war mit einer Gastwirtschaft gescheitert und hatte sich das Leben genommen, als Fritz fünf Jahre alt war.

„Ich habe mein Studiengeld bei der Tanzmusik verdient“, berichtete der Sänger später in einem Interview. „Ich hab also Jazz gemacht, ich habe Trompete geblasen, ich habe Akkordeon gespielt, ich habe Jazz gesungen, nachts, am nächsten Morgen bin ich zum Studium gegangen und habe alte Arien gesungen.“

Schon 1953 holte Willi Stech Wunderlich erstmals ins Studio des Südwest-funks, wo innerhalb weniger Jahre etliche Aufnahmen mit dem Sänger entstanden. Solche alten Schätze hat der SWR nun aus den Tonarchiven geholt und sorgsam remastert, so dass sie heutigen Ansprüchen genügen. Auf dieser Doppel-CD kann man Fritz Wunderlich nun also als Schlager-sänger und mitunter sogar als Trompeter hören. Die Schlager aus den 50er und 60er Jahren allerdings haben musikalisch ein etwas anderes Kaliber, als man das heute gewohnt ist; sie sind nahe Verwandte der Operettenlieder, und dieses Genre ist für Sänger alles andere als einfach—auch wenn es dann letztendlich in der Vorstellung mühelos klingen muss.

Wie er in jenen frühen Jahren die „alten Arien“ gesungen hat, das belegt eine weitere CD mit Aufnahmen, die zwischen 1955 und 1959 entstanden sind. Zu hören sind Rezitative sowie eine Arie aus Bachs Weihnachts-oratorium, aufgezeichnet bei einer Aufführung 1955 in der Stuttgarter Markuskirche, zwei Weihnachtsmotetten von Heinrich Schütz und zwei Kantaten von Dieterich Buxtehunde und Georg Philipp Telemann sowie Ausschnitte aus Händels Messias. Dieser Mitschnitt von 1959 macht deutlich, welch rasante Entwicklung der Sänger innerhalb weniger Jahre genommen hat: Die Stimme gereift, die Technik exzellent, und der Vortrag zunehmend differenzierter.

Zehn Folgen soll die Wunderlich-CD-Serie einmal umfassen, und alle Bereiche seines Wirkens—von Schlagern und Operetten, über „Alte“ Musik bis hin zu Werken des 20. Jahrhunderts. Man darf sehr gespannt sein auf die Entdeckungen, die da noch kommen werden. © 2017 ouverture - Das Klassik-Blog




Kai Luehrs-Kaiser
kulturradio vom rbb, March 2017

Keine Geschmacksbedenken? Auf einer Doppel-CD ist jetzt erstmals jene Fülle von deutschen, teilweise auch italienischen Schlagern gesammelt erschienen, die Fritz Wunderlich in den 50er Jahren aufnahm.

Auf einer Doppel-CD hat das Label “SWR Music” jene gesammelten (wenn auch wohl nicht kompletten) Schlager-Aufnahmen remastert und erstmals gesammelt herausgegeben, für die sich Fritz Wunderlich von 1953 bis 1965 ins Studio begab. Es handelt sich um die frühesten Aufnahmen des Tenors (unter seinen Entdeckern Willi Stech und Emmerich Smola), aber auch um einige seiner späten Dokumente (nicht lange vor seinem frühen Tod im Alter von 35 Jahren). Sie waren früher bei der Polydor oder auf irgendwelchen Raritäten-Platten veröffentlicht.

Schnalz- und Schmalz-Gewerbe

Da Wunderlich, wie heute nicht mehr allgemein bekannt, mit der Tanzmusik begonnen hatte und eine Schlagerkarriere für den Fall erwog, dass es mit der Oper nicht so recht klappen würde, muss er sich im Genre des deutschen und italienischen Schnalz- und Schmalz-Gewerbes nicht verstellen. Er singt Titel der linken und rechten Komponisten, die schon in den 30er Jahren tätig waren (von Walter Mehring bis zu Hans May und Will Meisel) mit derselben bodenständigen Nonchalence, die er auch als Tamino oder in der “Dichterliebe” ausstrahlte. Begünstigt wird er durch die Tatsache, dass seine Stimme ohnehin nicht die größte war—und daher sehr gut vom Mikrophon eingefangen werden konnte.

Liebevoll

Die meisten Titel (von “O cara Marie”, “Granada” und “Tiritomba” bis zu “Sonne über Capri” und bizarren Preziosen wie dem “Mutterlied”) sind inzwischen einem gerechten Vergessen überantwortet worden. Die Tatsache, dass im Booklet nicht weniger als 40 Aufnahmedaten in Freiburg, Kaiserslautern und Stuttgart nachgewiesen sind, lässt darauf schließen, dass Wunderlich sich seiner Aufgabe keineswegs flüchtig an drei Nachmittagen entledigt hat; sondern dass hier liebevoll kleinteilig, ja missionsselig zu Werke gegangen wurde.

Geschmacksbedenken fallen da keine ins Gewicht. Man mag durch die rustikale Direktheit, die Wunderlich an den Tag legt, nicht unbedingt für den Schlager der 50er Jahre gewonnen werden. Aber doch für Fritz Wunderlich, den man noch einmal ganz neu kennenlernt. © 2017 kulturradio vom rbb





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