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Album Reviews



 
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Grete Catus
The New Listener, June 2017

Das Szymanowsky Quartet interpretiert für das Label SWRmusic des Südwestrundfunks eine Auswahl aus Werken die für die „Freitagskonzerte“ („Les Vendredis“) des russischen Verlegers und Mäzens Mitrofan Petrowitsch Beljajew.

Eine ebenso sinnvolle wie kurzweilige CD ist kürzlich beim Label des Südwestrundfunks erschienen, die deswegen auf jeden Fall Erwähnung finden sollte. Wer sich jemals näher mit der Geschichte des Komponistenzirkels „Das mächtige Häuflein“, im englischen Sprachraum eher als „die Fünf“ bekannt, beschäftigt hat, stößt unweigerlich auch auf den Namen des Verlegers, Mäzens und man darf wohl sagen Konzertveranstalters Mitrofan Petrowitsch Beljajew. Er richtete an jedem Freitag (franz.: Vendredi) ab etwa 1891 musikalische Abende (die man später etwas lapidar „Les Vendredis“ zu nennen begann) aus, bei denen die aufstrebenden russischen Komponisten jener Zeit zusammenkamen, sich ausgiebig austauschten und offenbar auch ebenso ausgiebig tafelten.

Es war eine Zeit, in der sich „das mächtige Häuflein“ (bestehend aus Balakirew, Rimsky-Korsakow, Mussorgsky, Cui und Borodin) bereits erschöpft hatte und auseinander zu fallen begann. Neue Namen tauchten auf der Komponistenlandkarte auf: Glasunow und Ljadow etwa, aber auch heute praktisch vergessene Komponisten wie etwa Nikolay Artcibuschew, Nikolay Sokolow, Alexander Kopylow, Joseph Wihtol, Felix Blumenfeld oder Maximilian d’Osten-Sacken.

Das experimentierfreudige Szymanowsky Quartet bietet auf seinem neuen Album nun einen Querschnitt durch diese „Vendredis“, also jene Freitagskonzerte Beljajews, bei denen die beteiligten Komponisten in unregelmäßiger Abfolge kleine Streichquartettminiaturen beisteuerten. Das Album basiert ganz offenbar zumindest teilweise auf einer Notenausgabe des Schott-Verlags, die auffällige Ähnlichkeiten zum Programm dieses Albums aufweist.

Die Musik, die hier erklingt, ist im besten Sinne unterhaltsam. Das ist kein im engeren Sinne anspruchsvolles Repertoire, und man wird hier auch keine verschollenen Meisterwerke entdecken. Viele Stücke sind heiteren, entspannten, kurz: dem Anlass angemessenen Charakters. Kuriose Kleinigkeiten wie eine Gemeinschaftspolka von Sokolow, Glasunow und Ljadow treffen dabei auf für heutige Ohren ungewöhnlich anmutende neoklassische Experimente (Wihtols „Menuett“, Sokolows „Kanon“, Ljadows „Sarabande“ und „Fuga“) und vielfarbige Annäherungen an die Salonmusik des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis hin zu regelrechten Ohrwürmern (etwa Kopylows „Polka“ oder Borodins D-Dur-Scherzo).

Müsste man das Repertoire in drei Worten zusammenfassen, könnte man sagen: Volkstümlichkeit trifft auf Neoklassizismus. Auffällig ist in der Tat der Hand aller beteiligten Komponisten zu damals schon längst überkommenden Modellen und barocken Tanzsätzen. So war das wohl, wenn sich Komponisten damals trafen: Man redete über die Großen der Vergangenheit und ahmte sie, in steter Suche nach der Fortschreibung der praktisch erst wenige Jahrzehnte zuvor begründeten russischen Kunstmusiktradition auch gern mal nach. Stilübungen, könnte man das nennen.

Dass diese Musik dabei zu mehr wird, als bloß zum Klingen gebrachte Musiktheorie, sondern wirklich zu einem großen Spaß, das ist das Verdienst dieser gelungenen Auswahl, die das Szymanowski Quartet auf einem sehr solidem Level darbietet. Dabei ist vor allem der schöne Zusammenklang des Ensembles zu betonen mit vielen warm-holzigen Mitten im Klangbild und einer warm-samtigen Tiefe. Die beiden Geigen lassen manchmal etwas Brillanz vermissen, doch das trägt eher noch zu einem Klangbild bei, das ich als „authentisch russisch“ durchgehen lassen würde. Tolle Platte! Sollte man haben! © 2017 The New Listener



Rasmus van Rijn
Klassik heute, April 2017

Von den Beiträgen der Freitagskonzerte (Les Vendredis), die der große Musikfreund, Gönner und Verleger Mitrofan Belaieff bei sich daheim im russischen St. Petersburg veranstaltete, sind auf dieser CD sechzehn Stücke von zehn Komponisten vereint. Damit ist die CD bis an den Rand mit teils hübschen, teils beachtenswerten, in jedem Falle reizend gemischten Piècen gefüllt, von denen Borodins ausladendes Scherzo sowie Glasunows Präludium und Fuge allein schon durch ihre puren Abmessungen beeindrucken. Zwischen einer Reihe köstlicher, süffig vorgetragener Polkas und Mazurkas verbirgt sich die eine oder andere Denkarbeit; und Anatoli Ljadow, der Komponist des Zaubersees und der Baba Yaga, überrascht mit einer d-Moll-Fuge, die man sich durchaus in den Händen eines altenglischen Gambenconsorts vorstellen könnte. Ob sich die verantwortliche Technik bewußt auf die akustischen Gegebenheiten eines Salons beschränkt und ob das Szymanowski Quartet seine Portamenti ebenso bewußt aus Anhörung historischer Streicherensembles hergeleitet hat, sei dahingestellt: Die Tänze haben Pfiff, die kontrapunktischen Studien sind transparent—im Verein mit erlesenem Konfekt und einem leise summenden Samowar garantiert die Produktion authentische Unterhaltung. © 2017 Klassik heute





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