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Album Reviews



 
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Ingobert Waltenberger
Online Merker, June 2017

Der gebürtige Grazer Hans Rosbaud war ein musikalisches und Sprachen-Multitalent. Er glänzte nicht nur als fantastischer Pianist, sondern spielte viele Orchesterinstrumente, fünf Sprachen soll er fließend beherrscht haben. Karriere machte er aber nicht in Österreich, sondern in Deutschland und in Frankreich. Nach dem Krieg begründete er gemeinsam mit Ernest Bour die Festspiele in Aix-en Provence. Seine Stationen waren nach dem Studium am Konservatorium in Frankfurt am Main, der Posten des Direktors der Musikhochschule Mainz und die Leitung des dortigen Sinfonieorchesters. 1928 wechselte er zum Südwestdeutschen Rundfunk in Frankfurt, Stationen in Münster und Straßburg folgten.

Die musikhistorische Bedeutung basiert auf Rosbauds Engagement für zeitgenössische Musik. 1954 dirigierte er die konzertante Uraufführung von Schoenbergs Moses und Aron in Hamburg, auch die szenische Uraufführung 1957 in Zürich fand unter seiner Stabführung statt. Aber Rosbaud auf dieses Repertoire, das er erfolgreich auch in Donaueschingen pflegte, zu reduzieren, wäre einseitig. Neben Mozart in Aix-en Provence hat Rosbaud mit Leidenschaft und Hingabe auch die Werke von Anton Bruckner, Gustav Mahler und Richard Wagner dirigiert. Manche werden den von ihm geleiteten Meistersinger Mitschnitt der RAI aus dem Jahr 1955 mit Hans Hopf, Elisabeth Schwarzkopf und Otto Edelmann kennen. Die vorliegende CD stellt Rosbaud als interessanten Wagner Instrumental-Interpreten ins Rampenlicht. Zu hören sind die erstmals aus den Archiven geholten Ouvertüren zu Rienzi, zum Fliegenden Holländer, zu Tannhäuser und die Vorspiele zu Lohengrin (1. und 3. Akt), zu Parsifal und die Einleitung zum dritten Akt der Meistersinger von Nürnberg.

Jede Pauschalierung verbietet sich natürlich, aber um es anschaulicher erklären zu können, sei gestattet anzumerken, dass Rosbauds Wagner-Sicht primär stark intellektuell mit der Partitur unter der Lupe geprägt ist. Sofort auffällig sind die extremen dynamischen Ausschläge und das helle Klangbild. Schon bei der Rienzi Ouvertüre scheint die Zeit manchmal still zustehen, nur um dann in einer kunstvoll aufgebauten, langsamen Steigerung rasant dem Finale entgegenzueilen. Diese Fertigkeit, Bögen zu spannen, verbindet ihn mit Knappertsbusch. Die Klangtextur selber ist aber jederzeit transparent und sachlich. Die allerhöchste Akribie, die Durchhörbarkeit auch in den großen Aufschwüngen, das wie ein Uhrwerk präzise Erarbeitete und kontrolliert Passionierte sind Rosbauds Wagner-Interpretationen ebenfalls inhärent. Es ist einigermaßen verwirrend, Wagner so zu hören. Vor allem die eigenwillige Temporegie ist so eine Sache, die man mögen kann oder auch nicht.

Für das Vorspiel zu Wagners Parsifal braucht Rosbaud 13,26 Minuten und ist damit am langsamen Rand der Vergleichsskala. Von allen Aufnahmen, die ich habe, sind nur Knappertsbusch (Bayreuth 1951) und Karajan (Studioaufnahme) mit 14,14 Minuten, sowie Sir Mark Elder mit 14,10 Minuten noch gedehnter. Kubelik braucht in seiner Aufnahme mit dem Bayerischen Rundfunk 12,04 Minuten, die Flottesten sind Pierre Boulez (Bayreuth) mit 10,27 Minuten und, wer hätte es gedacht, Christian Thielemann an der Wiener Staatsoper mit 11,03 Minuten Spielzeit.

Die hohe Qualität in der Wiedergabe liegt aber wie schon angedeutet in der Beherrschung des Apparats, dem „Drill“ könnte man fast sagen, und in der starken Eigensicht auf die so oft gespielten Partituren. Das Klangbild ist trotz des Remasterings historisch, authentisch und klar. Eine interessante Neuerscheinung, die nicht nur das akustische Vermächtnis eines bedeutenden österreichischen Dirigenten erweitert, sondern auch der Interpretation manch reiner Orchesterstücke Wagners eine höchst eigenwillige, aber anregende Spielvariante hinzufügt. © 2017 Online Merker



RĂ¼diger Winter
Opera Lounge, May 2017

Hans Rosbaud gilt nicht als ausgewiesener Spezialist für Richard Wagner. Mit seinem Namen verbinden sich Mozart, Mahler oder die Moderne. In die Musikgeschichte ist er als Dirigent der konzertanten Uraufführung des Fragments von Schönbergs Moses und Aron 1954 in Hamburg und der ersten szenischen Umsetzung 1957 in Zürich eingegangen. Er kannte Schönberg persönlich. In seiner Diskographie findet sich lediglich eine Wagner-Gesamtaufnahme, nämlich Die Meistersinger von Nürnberg, eingespielt 1955 für die RAI Milano. Begleitet vom Orchester dieser italienischen Rundfunkstation singt ein erlesenes Ensemble deutscher Zunge—aus Elisabeth Schwarzkopf (Eva), Ira Malaniuk (Magdalene), Hans Hopf (Solzing), Otto Edelmann (Sachs), Erich Kunz (Beckmesser), Ludwig Weber (Pogner) und Gerhard Unger (David). Bis auf Weber hatten diese Sänger in denselben Rollen 1951 bei den ersten Bayreuther Nachkriegsfestspielen mitgewirkt. Mehr ist nicht nachzuweisen. Jetzt hat SWR Classic, das Label des Südwestrundfunks, die Wagner-Abteilung um eine Sammlung von Ouvertüren und Vorspielen erweitert, die der Dirigent zwischen 1955 und 1959 mit dem Südwestfunk-Orchester Baden-Baden eingespielt hat (SWR190336CD). Rosbaud war seit 1950 Chef des Orchesters. Er galt als so genannter Radio-Dirigent, weil er dieses Medium schon Ende der 1920er Jahren für die gezielte Verbreitung vor allem von zeitgenössischer Musik zu nutzen verstand. Dabei trat er selbst als Moderator in Erscheinung und machte seine Hörer mit den entsprechenden Werken vertraut. Während der Nazidiktatur blieb er in Deutschland und wirkte in Frankfurt und Münster.

Der Inhalt der CD ist mit den Ouvertüren bzw. Vorspielen zu Rienzi, Holländer, Tannhäuser, Lohengrin und Parsifal rein orchestral. Aus Lohengrin gibt es noch zusätzlich die Einleitung zum dritten, aus dem Meistersingern lediglich das Vorspiel zum dritten Aufzug. Es ist, als ob Rosbaud die Architektur dieser Musik offenlegen will. Sein Stil ist intellektuell und etwas kühl geprägt, neigt zum Sezieren. Seine Nähe zu zeitgenössischen Werken wird auch bei der Deutung von Wagner offenbar. Nicht, dass die Spannung darunter litte. Es könnten aber schon mehr Schmiss sein, mehr Rausch und Hingabe. Nach mehrmaligem Hören erweist sich diese Erwartung allerdings als unangemessen, weil der Dirigent ganz bewusst das Gegenteil davon anstrebt. Besonders auffällig ist das bei der Rienzi-Ouvertüre, die er regelrecht entschlackt. Sie klingt nicht mehr heroisch. Als Kontrastprogramm ist diese Neuerscheinung allen Musikfreunden, die sich intensiv mit Wagner beschäftigen, sehr ans Herz zu legen. Am Klangbild wurde offenbar nur dezent gearbeitet. Es bleibt akustisch in seiner Zeit, was zu begrüßen ist. © 2017 Opera Lounge





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