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Album Reviews



 
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Remy Franck
Pizzicato, May 2017

Andrei Boreyko fügt eine weitere, sehr interessante Interpretation zu seinem Shostakovich-Zyklus hinzu. Den ersten Satz dirigiert er sehr reflektiv und eher verhalten auf Trauer bedacht. Die folgenden Sätze entwickeln sich logisch aus dieser Klangwelt heraus. Boreyko liegt wohl interpretatorisch zwischen dem sehr emotionalen Kitajenko und dem analytisch kühlen Solti, aber letztlich interessiert auch ihn vor allem der architektonische Bau der Symphonie, die Transparenz des Stimmengeflechts, und das in einer allgemein sehr nachdenklichen Lesart.

Wer die Achte leidenschaftlicher und aufwühlender mag, wird bei Kitajenko und Bychkov besser bedient. Bei Aufnahmen stammen aus Köln, die von Kitajenko mit dem Gürzenich Orchester (Oehms) und die von Bychkov mit dem WDR Orchester (Avie). © 2017 Pizzicato



Rasmus van Rijn
Klassik heute, May 2017

Als Andrey Boreyko am 25. und 26. Februar des vorigen Jahres in der Stuttgarter Liederhalle seine derzeitigen Ansichten über Dimitri Schostakowitschs achte Symphonie kundtat, ging er ein hohes Risiko ein. Dieses fünfsätzige Werk, in dem die düsteren Töne bis hin zu abgrundtiefer Schwärze dominieren und mit dem die Oberen der sozialistischen Räterepublik erwartungsgemäß recht kurzen Aufführungsprozeß machten—diese gewaltige Kreation verlangt eigentlich nach einer straffen Hand, die insbesondere den nahezu halbstündigen Kopfsatz an die Kandare nehmen sollte, um seinen kolossalen Inhalt nicht völlig über die Ufer treten zu lassen. Boreyko indes geht die Sache mit einer gefährlichen Ruhe an, setzt darauf, dass die Substanz sich selbst tragen wird und behält recht. Nachdem sich die erste Überraschung gelegt und ich mich an die nicht sonderlich festgezurrten (wieder einmal nicht partiturgetreu phrasierten) Punktierungsfiguren gewöhnt habe, gerate ich allmählich in den Strom der Ereignisse, der erst nach sage und schreibe 16 Minuten und 15 Sekunden bei dem Allegro non troppo ankommt, ohne dass mir die Zeit lang geworden wäre: Die fein ausgesponnenen Stimmen der weithin kammermusikalisch transparenten Polyphonie halten mich wie von selbst auf Kurs, und am Ende des Kopfsatzes lege ich tatsächlich eine längere Pause ein, bevor ich mir das logisch folgende, im Augenblick aber zu gewaltsame, weil mit maschinenhafter Unerbittlichkeit vorwärtsdrängende Allegretto zumute. Ganz ähnlich ergeht’s mir am Ende des Werkes: sprach—und regungslos sitze ich vor den Lautsprechern, bis endlich der letzte innere Nachklang sich von selbst auflöst. Hörenswertes habe ich da gehört…

Dessen ungeachtet seien die Defizite des Live-Mitschnitts nicht verschwiegen. Neben dem spürbar „belebten” Raum wäre da zunächst einmal im letzten Adagio des ersten Satzes der eklatante Solobronchist, der mit Sicherheit nicht an beiden Aufführungstagen Dienst hatte (und sich demnach vermutlich durch Material aus den Proben und dem alternativen Abend hätte beseitigen lassen): Er schnalzt genau in jene bewundernswerte Phase, in der Schostakowitsch auf subtile Weise aus den Überbleibseln des bisherigen Geschehens den geisterhaften Schatten des bevorstehenden Allegretto herauslöst. Vor allem aber ist zu bemerken, dass dem motorischen Totentanz in der Mitte der Symphonie das letzte und nötige Quantum an Aggressivität abgeht—womöglich das Resultat einer (durchaus begreiflichen) Vorsichtsmaßnahme: Wenn die Posaunen nämlich die ratternden Viertel im vorgeschriebenen Tempo aufnähmen, könnte auf dem Konzertpodium eine gewisse Unruhe entstehen, und es will mir scheinen, als habe Andrey Boreyko dieses eine Risiko doch gescheut. Gut geraten ist dann wieder der brüllende Übergang ins stille Largo, das der trügerischen Beschaulichkeit des Schlußsatzes den Weg bereitet. © 2017 Klassik heute





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