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Carsten Dürer
Piano News, August 2018

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Rasmus van Rijn
Klassik heute, April 2018

Dem systematischen Sammler pianistischer Glanzlichter werde ich dieses Set ebensowenig andienen müssen wie die von profundester Sachkenntnis geprägten Erläuterungen, die Peter Cossé der Veröffentlichung beigegeben hat. Auch will ich nicht versuchen, die drei Ereignisse—das Beethoven-Recital aus dem Ludwigsburger Schloß (1953) sowie die beiden Konzert-Mitschnitte aus der Stuttgarter Liederhalle (1962 bzw. 1959)—einer interpretatorischen Betrachtung zu unterwerfen und diese Resultate etwa als diskographische Alternativen zu den hochkarätigen Studio-Produktionen eines Künstlers emporzuheben, der sich seit seinem 65. Lebensjahr mit bewundernswerter Ausschließlichkeit auf die Ergründung der „Überkomponisten“ (Cossé) konzentriert und all den virtuosen Schnickschnack weggelassen hat, mit dem er in früheren Zeiten erfolgreich gewesen war.

Zu berichten ist indes von einer persönlichen, über die Maßen lehrreichen Erfahrung, die mir diese historischen Mitschnitte gewährt haben. Wieder einmal stelle ich fest, wie wenig an hypertechnischen Mitteln doch nötig ist, wenn wir einen schöpferischen Geist und einen Interpreten vor uns haben, der die gerade Linie zwischen dem Ursprung und unseren Rezeptoren bildet. Spielt es eine Rolle, dass das Klavier in der träumerischen Introduktion des Brahms-Konzertes ein wenig jault, dass in einigen Ballungen der Hammerklaviersonate ein paar klirrende Faktoren vorkommen und die Balance der Akkorde beeinträchtigen oder das Orchester weit von der philharmonischen Breitwand- und Tiefenstaffelung entfernt ist? Sicher nicht angesichts der gebündelten, abgewogen eingesetzten Energie, mit der Backhaus die drei Beethoven-Sonaten durchleuchtet oder seine konzertanten Aufgaben in die symphonischen Architekturen Beethovens und Brahms’ einfließen läßt. Was er allein in den Soli und den pianistischen Akkompagnements des Beethovenschen Opus 73 an motivischen Querverstrebungen auftut, mit welch kaum meßbaren Verzögerungen er die Wirkung der massiven Brahms-Attacken gleichsam ins Unermeßliche steigert, ohne dabei auch nur in die Nähe platter Effekthaschereien zu geraten, das ist von einer solchen Suggestivkraft, dass ich tatsächlich zwischendurch vermeinte, die Ausführenden bildhaft vor mir zu sehen. Und wäre hier (rein hypothetisch) ein letzter Widerstand vorhanden gewesen, so hätte er sich bei der Waldstein-Sonate vollends verflüchtigen müssen. Backhaus rückt den wütenden Repetitionen des Kopfsatzes mit einer kolossalen Wucht zu Leibe, die in der meditativen Introduzione noch immer leise nachzittert, sich dann aber in dem himmlischen, für mich immer wieder restlos entwaffnenden und ergreifenden C-Dur-Thema des Finales auflöst: Die ganze Zartheit dessen, der sich zwangsläufig hinter einer polternden, lärmenden Fassade verbarg, der heulend und tobend seinen Ideen nachlief und sich dabei mitunter in der Landschaft verirrte—dieses poetische, fragile Wesen schaut da in seiner ganzen Empfindlichkeit aus den sparsamen Melodietönen, aus den schwingenden Sechzehnteln hervor, und es möchten einem schier die Tränen in die Augen treten …

Eine Einschätzung der klanglichen Restaurationsarbeit vermag ich nicht abzugeben, da ein Vergleich mit den Originalbändern unmöglich ist. Ich nehme aber an, dass die Dokumente auf dem Wege zum Preßwerk um einige Grade vom Staub der Zeit gereinigt worden sind—ich jedenfalls war und bin, wie man dem Obigen vielleicht entnehmen kann, bei der Anhörung nicht unglücklich. © 2018 Klassik heute




Remy Franck
Pizzicato, April 2018

Dieses Set, das sämtliche Aufnahmen enthält, die Wilhelm Backhaus für den SWR (damals SDR) gemacht hat, stammen aus Klavierabenden von 1953 (Ordensaal Schloss Ludwigsburg), Dezember 1959 (Liederhalle Stuttgart) und März 1962 (Liederhalle Stuttgart).

Wenn man die Beethoven-Sonaten Nr. 3 und Nr. 21, die ‘Waldstein’ sowie die Nr. 29 (Hammerklavier) aus dieser Box hören würde, ohne zu wissen, wer der Pianist ist, würde man wohl eher auf einen jugendlich-ungestümen Interpreten tippen und nicht auf den 69-jährigen Wilhelm Backhaus, es sei denn, man sei vertraut mit dem herben, klaren, zupackenden und schlanken Musizieren des Pianisten. Den Studioaufnahmen hat dieser Livemitschnitt das Spontane, das immer leicht Erregte voraus.

1962, als er in der Stuttgarter Liederhalle das 5. Beethoven-Konzert unter der Leitung von Joseph Keilberth interpretierte, war Backhaus schon fast 78. Er musiziert wiederum sehr klar und zielstrebig, um in diesem Werk, das so leicht klebrig werden kann, keine Spur von Pathos aufkommen zu lassen.

75 war Backhaus, als er wiederum in Stuttgart, aber diesmal unter Hans Müller-Kray, das Zweite Klavierkonzert von Brahms spielte, das er acht Jahre später mit den Wiener Philharmonikern unter Karl Böhm etwas spannungsärmer einspielen sollte. Backhaus spielt wiederum mit großer Klarheit, sehr entschlossen und kraftvoll. Die Souveränität des Musizierens ist schon erstaunlich.

Die Mono-Aufnahmen wurden sehr gepflegt bearbeitet und klingen für ihr Alter recht gut. © 2018 Pizzicato





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