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Dr. Ingobert Waltenberger
Online Merker, May 2016

Am Hofe des Francesco II d‘Este in Modena gab es ein reiches musikalisches Leben. Im Jahr 1689, dem Jahr der Uraufführung des auf einen alttestamentarischen Stoff komponierten Oratoriums „Giona“, kamen in dieser norditalienischen Musikmetropole nicht weniger als 13 Oratorien zur Uraufführung. Kurz zur Story von Jonas: Der Gott von Israel befiehlt Jonas, die grausame korrupte Bevölkerung von Nineveh mit einer Predigt auf den richtigen Weg zu bringen. Als er sich weigert, muss er auf ein Schiff in Richtung Spanien, das im Sturm beinahe kentert. Jonas gesteht, Gott ungehorsam gewesen zu sein, also werfen die Seeleute ins ins Wasser, um den Sturm zu stoppen und das Schiff zu retten. Vom Wal verschluckt, verbringt er drei Tage und Nächte im Bauch des großen Fisches, betend und bereuend. So geläutert wird er nach diesen drei Tagen unversehrt an Land geworfen und kann erfolgreich seine Mission in Nineveh erfüllen.

Der in Padua gebürtige Bassani (später Organist und maestro di cappella in Ferrara) hat aus dieser Rahmengeschichte ein dem damaligen Zeitgeist verhaftetes Oratorium für fünf Sänger und ein kleines Streicherensemble (2 Violinen, 2 Bratschen, Cembalo) samt Continuo komponiert. Nach einer Sinfonia wechseln den damaligen Usancen gemäß Rezitative und da capo Arien einander ab, dazwischen gibt es drei Chöre (Madrigale). Die hohen Anforderungen an Streicher und Solisten spiegeln das wohl beeindruckende musikalische Niveau am Hofe der Este. Nur fünf Rollen treiben die Handlung in diesem kammermusikalischen christlichen Lehrstück voran: Die Hoffnung (Laura Antonaz, Sopran), Der Gehorsam (Margherita Rotondi, Sopran), Jonas (Carlo Vistoli, Counter), Atrebate (Raffaele Giordani, Tenor) und Testo (Mauro Borgioni, Bass). Alle Solisten singen exzellent und geben ihr Bestes, um den musikalischen Geist des siebzehnten Jahrhunderts auferstehen zu lassen. Heikelste Verzierungen und virtuose Passagen gelingen gleichermaßen wie die eher melodiösen legatoreicheren Passagen in den Arien des Jonas. Der „schlimme Finger“ hat ja so einiges gut zu machen und tritt daher dramaturgisch logisch auch musikalisch kleinlauter auf. Aber wenn jemand so klangschön und zu Herzen gehend seine Reue besingt wie dies hier Carlo Vistoli tut („Chi mi sveglia? Dove sono?“, „Giustissimo nume“), dem muss ja vergeben werden. Die vielleicht auch noch heute nicht atavistische Moral von der Geschichte: Stolz und Anmaßung sind in keinem Fall gesellschaftliche oder Individuelle Erfolgsrezepte. Wer dies rechtzeitig kapiert, ist aber auch nicht verloren.

Da auch das Ensemble „Les Nations“ unter der kundigen musikalischen Leitung von Maria Luisa Baldassari dem barocken Italien in „höchsten“ und teils verspielt animierten Tönen huldigen, darf von einer sehr erfreulichen Neuerscheinung berichtet werden. © 2016 Der Neue Merker





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