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Album Reviews



 
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Alain Steffen
Pizzicato, June 2015

Diese neue CD in der Reihe der Wiener Symphoniker geht zurück auf eine Einspielung von 1958. Neben Vaclav Talich, Karel Sejna und Vaclav Neumann war Karel Ancerl wohl der prominenteste Vertreter der tschechischen Dirigentenschule des 20. Jahrhunderts. Berühmt war Ancerl wegen seiner großartigen Interpretationen von Janacek, Martinu und natürlich Antonin Dvorak.

Wer diese CD nun anhört, wird überrascht sein, wie ‘modern’ und wenig nationalistisch-pathetisch Ancerl die 9. Symphonie von Antonin Dvorak, das Paradestück der tschechischen Klassik dirigiert. Dort, wo andere Dirigenten böhmische Stimmungen und ein melodienreiches Klangideal anstreben, widersetzt sich Ancerl diesen auf pure Schönheit ausgerichteten Interpretationskonzepten. Seine Interpretation der Neunten ist oft erstaunlich harsch und akzentreich, die Melodien werden in ihrer ganzen Schönheit relativiert und objektiviert, so dass das Gefühl von Klangseligkeit erst gar nicht aufkommt. Eine gewisse Zerrissenheit im Ausdruck und ein sehr kritischer Umgang mit dem musikalischen Material machen Ancerls Interpretation besonders interessant.

Smetanas ‘Moldau’ ist ein typischer Füller und wird mit der gleichen Ernsthaftigkeit und kritischen Hinterfragung interpretiert wie Dvoraks Neunte. Leider krankt diese Veröffentlichung, wie auch schon andere historische Dokumente der Wiener Symphoniker, unter einem für die heutigen Möglichkeiten doch sehr schlechten Klangbild, das beispielsweise keinem Vergleich mit den hervorragenden Restaurierungen von Audite standhält. Das Klangbild ist fahl und eingeengt, so dass das Spiel und der Orchesterklang der Symphoniker nicht richtig zur Geltung kommen. Ich gebe daher Ancerls Einspielung von 1961 mit der Tschechischen Philharmonie den Vorzug. Dennoch bleibt diese Aufnahme ein wichtiges Zeitdokument. © 2015 Pizzicato




Remy Franck
Pizzicato, April 2015

Als ich 1971 in Florenz Karel Ancerl zum ersten Mal im Konzert erlebte, war er 63 Jahre alt und zeigte dennoch am Pult jugendliche Kraft. In diesen Wiener Konzertmitschnitten war er erst 50 und genau so energiegeladen. Nun könnte man meinen, ich möchte ihn mit den Energeten von heute vergleichen. Pah! Wie könnte ich? Ancerl machte nie auf Show, er brauchte sich nicht selbst zu inszenieren, weil er die Wirkung allein der Musik überließ. Kein Radau also in der ‘Neuen Welt’ (wie ich das letztes Jahr sehr zu meinem Missmut mit Nézet-Séguin in Warschau erlebte) sondern Energie in Form von Intensität.

Das Largo wird bei Ancerl nicht zu einer romantisch ausladenden Betrachtung, sondern zu einem raffiniert prickelnden Musikstück, das Scherzo und das Finale werden mit einer entwaffnenden Natürlichkeit gespielt, weil Ancerl hier seine Muttersprache spricht und genau weiß, was zu sagen ist.

Es mag von dieser Symphonie klanglich bessere Aufnahmen geben, sogar mit Ancerl selber (bei Orfeo), aber diese hier bringt dem Hörer so viel Glück, dass man sich die CD unbedingt anhören sollte, nicht zuletzt wegen einer genialen Darbietung der ‘Moldau’. Das ist die Ancerl-Hymne, und er singt sie mit Inbrunst, aber ohne Pathos. Die Musik fließt mit voller Kraft in schnellen 11 Minuten und 40 Sekunden, aber sie wirkt nie zu schnell, sie wirkt einfach richtig, sie strömt und blüht vital und voller Elan, wie Blut in der Ader tschechischen Lebens, wie das Pochen des tschechischen Herzens. Grandios und bewegend! Eine CD mit Gänsehaut-Garantie. © 2015 Pizzicato





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