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Uwe Krusch
Pizzicato, September 2016

Wenn europäische Orchester in Asien spielen, freut sich das Publikum auf den Hörgenuss der europäischen Kompositionen. Wenn amerikanische oder asiatische Orchester nach Europa kommen, haben sie normalerweise nur eine kleine Kostprobe aus ihren Klangwelten dabei, also z. B. eine Ouvertüre. Es ist daher nicht so leicht, in Europa im Konzert ausgiebig außereuropäische Musik hören zu können. Selbst Klassiker wie Leonard Bernstein finden sich selten auf den Programmen, gelegentlich allenfalls die Tänze aus ‘West Side Story’. Vereinzelt taucht das eine oder andere Werk von Copland oder eines von Adams auf. Will man die Entwicklung verfolgen, ist man zumeist auf Reisen oder Aufnahmen angewiesen.

Eine lohnende Entdeckung ist James Matheson, der 1970 in Des Moines, Iowa, geboren wurde und nun in New York lebt. Er wurde schon mit Preisen wie dem ‘Charles Ives Award’ der ‘American Academy of Arts and Letters’ geehrt. Viele seiner Werke sind als Auftragsarbeiten entstanden, so auch das Streichquartett, das Violinkonzert und die fünf Lieder für Sopran und Klavier ‘Times Alone’.

Das Quartett ist ein gut halbstündiges, beeindruckendes Werk. Die Ideen häufen sich nur so. Der Stil ist, auch wenn es sich um zeitgenössische Musik handelt, genauso wie bei den anderen Werken, durchaus attraktiv, ohne deswegen tumb oder anbiedernd zu sein. Man kann, auch im Hinblick auf das Violinkonzert, behaupten, dass Matheson ein Händchen für Streichinstrumente hat. Aus der Kombination der Instrumente erwachsen wunderbare Farben. Andere Episoden sind motorisch und von sich wiederholenden Mustern geprägt. Daraus ergeben sich ‘minimal music’-Anklänge, ohne deren mitunter ermüdende Länge zu entwickeln.

Ebenfalls ein Genuss ist das von den Symphonieorchestern in Chicago und Los Angeles beauftragte Violinkonzert, das mit 25 Minuten Spielzeit bei seiner Premiere in Chicago aufgezeichnet wurde. Es ist eindeutig ein auf Wirkung bedachtes Werk, das aber auch wegen seines tonalen Ansatzes den Hörer körperlich und intellektuell anspricht.

Der Solist ist extrem stark durch die hyperkinetische Solostimme beansprucht und muss sich gegen den lebendigen und farbenflirrenden Orchesterpart behaupten. Auch hier bedient der Komponist sich eines neo-klassischen Habitus’, ohne sich irgendwelcher Plattitüden zu bedienen.

Die CD schließt mit fünf Liedern auf Texte von Antonio Machado aus den Gedichten ‘Soledades, galerias y otros poemas’ von 1907. Ein Schwerpunkt des Werkes dieses Poeten war die Einsamkeit (Soledad). Allerdings führt diese nicht zu Resignation, sondern zeigt Wege auf. Ein Zitat des Autors lautet: ‘Wanderer, es gibt keine Wege. Wege entstehen beim Gehen.’

Die Darbietung der Lieder durch Laura Stickling und Thomas Sauer ist gelungen. Mitunter klingt die Stimme etwas hart.

Maßgeblich geprägt werden die Aufnahmen vom Geiger Baird Dodge. Sonst ist er Stimmführer der zweiten Violinen im ‘Chicago Symphony Orchestra’. Hier ist er sowohl der Primgeiger des Quartetts als auch Solist im Konzert. ‘Color Field’ ist ein Ensemble, dass je nach Kontext als Duo bis hin zum Kammerorchester besetzt ist. Hier bildet es das Quartett, welches das Werk mit Spannung und Engagement zum Glänzen bringt.

Das Konzert findet mit dem ‘Chicago Symphony Orchestra’ unter Esa-Pekka Salonen und eben Baird Dodge versierte Fürsprecher. Sie meistern alle technischen Raffinessen, ohne mit der Wimper zu zucken. Darüber hinaus nutzen sie ihr Können, um die Komposition mit den gebotenen Farben zu illustrieren und den Hörer in ihren Bann zu ziehen. © 2016 Pizzicato





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