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Album Reviews



 
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Guido Krawinkel
Klassik heute, April 2020

Ferdinand Pfohl? Ein Name, mit dem wohl nur die wenigsten Musikfreunde etwas anfangen können. Gelebt hat der Komponist und Musikkritiker von 1862–1949, zwischen Romantik und Moderne. Bekannt geworden ist er durch seine musikalischen Schriften und sein Wirken als Musikgelehrter, doch dass er auch ein durchaus respektabler Pianist und vor allem auch Komponist war, der beachtliche Erfolge vorzuweisen hat, ist völlig der Vergessenheit anheim gefallen. Die Pianistin Jamina Gerl ist nun angetreten, dies zu ändern. Sie hat Klavierwerke Pfohls eingespielt: die Zyklen Strandbilder op. 8 und Suite Elégiaque op. 11 sowie die Rhapsodie Hagbart, eine ziemlich umfangreiches Werk von fast zwanzig Minuten Dauer. Damit setzt Pfohl eine deutliche Marke, denn so einen Zwanzigminüter komponiert man nicht mal so nebenbei. In diesem Fall hat das musikalisch Hand und Fuß, das Stück ist keine ausgewalzte Petitesse, sondern ein ausgewachsener Brocken für echte Virtuosen. Auch die von Pfohls nordischer Heimat inspirierten Strandbilder und die originelle Suite lassen aufhorchen. Hier bewegt sich ein Komponist auf der Suche nach dem eigenen Profil souverän zwischen den Stilen.

Eigener Stil

Mal klingt es ein wenig nach Debussy, Liszt ist zuweilen auch mit dabei. Ebenso wie manch anderer von Pfohls Zeitgenossen, doch so richtig trifft es das nie. Pfohls Stil ist doch so eigen und individuell, dass es zunehmend Freude macht, seine Musik zu entdecken. Das ist vor allem das Verdienst von Jamina Gerl. Für sie ist die Entdeckung der Werke Pfohls scheinbar alles andere als eine Pflichtübung. Sie widmet sich dieser Aufgabe mit großartigem Nachdruck, pianistischem Feinschliff und insgesamt so überzeugend, dass man nicht anders kann, als dieses Plädoyer für einen Komponisten abseits des kanonisierten Mainstreams als rundum gelungen zu bezeichnen. Pianistisch bleibt Gerl dieser hochinteressanten Musik nichts schuldig, im Gegenteil. Sie spielt Pfohl mit der gleichen Überzeugungskraft und Detailversessenheit wie Liszt oder Debussy. Die Pianistin nimmt diese Musik ernst, leuchtet ihre stilistischen Eigenheiten und musikalischen Eigentümlichkeiten aus. Und sie schafft es neugierig zu machen auf Ferdinand Pfohl und seine Musik. © 2020 Klassik heute



Burkhard Schäfer
Musik und Tanz, March 2020

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Helmut Peters
Piano News, March 2020

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Bernhard Hartmann
General-Anzeiger, December 2019

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Guy Engels
Pizzicato, November 2019

Ferdinand Pfohl war im 19. Jahrhundert ein gefürchteter Musikkritiker, das deutsche Pendant des strengen Eduard Hanslick. Pfohl tat sich aber auch als Pädagoge und Komponist hervor. Die Bonner Pianistin Jamina Gerl hat drei große Klavierwerke Pfohls erstmals auf CD eingespielt.

Die Strandbilder sind eine sehr stimmungsvolle Wanderung durch die Dünen. Jamina Gerl taucht den Zuhörer mit viel Feingefühl in das Rauschen der Meeresbrandung, in aufschäumende Gischt, nimmt ihn behutsam an der Hand auf dem ‘Friedhof der Namenlosen’. Gerade in diesem vierten Satz unterstreicht die Pianistin das typisch romantische Motiv des Wanderers in all seinen Deklinationen und Schattierungen.

Pfohls große Klavierwerke sind symphonisch angelegt, und die Strandbilder wurden später als Meeressymphonie orchestriert. Dies ist nicht der Fall für die über 40-minütige und ebenso symphonische Suite élégiaque, in der Jamina Gerl wunderbar der gärenden Endzeitstimmung an der Wende zum 20. Jahrhundert nachspürt: Endzeitstimmung in politischen aber auch in musikalischen Entwicklungen. Nie geht die Spannung verloren bei der Wechselwirkung zwischen spätromantischer Opulenz und impressionistischer Reduzierung auf das Elementare. Beendet wird das Programm mit Hagbart, einer Nordischen Rhapsodie nach einem Thema von Edward Grieg. © 2019 Pizzicato



Oliver Fraenzke
The New Listener, November 2019

Während mir der Name Ferdinand Pfohl als Autor von Biographien unter anderem über Wagner, Beethoven und Nikisch ein Begriff war, und ich auch von seiner führenden Position als Musikkritiker wusste, so hörte ich nie von ihm als Komponist. Und doch scheint Pfohl zu Lebzeiten ein nicht unbeachteter Tonsetzer gewesen zu sein, wie Aufführungen durch Reger, Nikisch, Mottl und anderen beweisen. Die vorliegende Aufnahme widmet sich seinen Klavierwerken beginnend bei der frühen nordischen Rhapsodie Hagbart von 1882 und endend bei der Elegischen Suite op. 11 (durch den Verleger der Mode entsprechend mit französischem Titel Suite Élégiaque beworben), dem bereits letzten Klavierwerk Pfohls von 1894.

Im Jahr 1892, in welchem auch die hier vorliegenden Strandbilder op. 8 erschienen, übernahm Pfohl die gefragte Stelle als Redakteur im Feuilleton der Hamburger Nachrichten und war so mit journalistischen Aufgaben eingespannt, kam wenig zum Komponieren; entsprechen große Lücken gibt es im Werkkatalog und erst nach seiner Pensionierung schuf er wieder regelmäßiger Orchesterwerke und Lieder. Das Schreiben sah Ferdinand Pfohl ursprünglich als reinen Broterwerb, nachdem er sein Studium der Rechtswissenschaften abgebrochen hatte und vor dem Einfluss seines strengen Vaters nach Leipzig floh – was auch zur Konsequenz hatte, dass er keine finanzielle Unterstützung mehr von Seiten seiner Familie erhielt.

Das große Vorbild, das durch alle der hier zu hörenden Klavierwerke eindeutig hervorscheint, ist Edvard Grieg. Noch bevor sich die beiden Komponisten kennenlernten und bevor Pfohl sich überhaupt vollständig der Musik verschrieb, komponierte er bereits die nordische Rhapsodie Hagbart nach einem Thema des Norwegers, worin er sich dessen harmonische und noch mehr melodische Sprache zu Eigen machte, sie aber mit einigen eigenen Elementen würzte. Doch auch in den übrigen Werken bleibt der Einfluss unverkennbar: Die reife Harmonik inklusive unaufgelöster Dissonanzen und Rückungen von erweiterten Akkorden, die expressive Kraft absteigender Chromatik, die Qualität der Melodien, die ihre unmittelbare Wucht aus folklorehafter Einfachheit ziehen, die treibende Macht der punktierten und triolischen Rhythmik, all das entnimmt Pfohl der Stilwelt Griegs. Manches mag schon beinahe an die früheren Werke von Debussy erinnern, doch sollte man nicht vergessen, dass auch dieser ein glühender Verehrer Griegs war und seine Tonsprache ohne die in der Forschung oft vernachlässigten Neuerungen des Norwegers undenkbar wäre. Gewiss darf Pfohl nicht als Epigone betrachtet werden, er war ein durch und durch eigenständiger Komponist. Formal überbrückt er mit einfachem Material große Strecken, ohne dass ein musikalischer Leerlauf eintritt (abgesehen höchstens einiger recht Liszt’scher Enden), und harmonisch entdeckt er manch eine neue Kombination, um die Musik über eine schwebende Fläche weiterzutragen und sich entwickeln zu lassen. Thematisch bleibt er dagegen konservativ und baut auf eingängige Melodien, die dafür ewig im Kopf bleiben und nicht zuletzt dadurch ihren Teil zur formalen Konzeption beitragen.

Durch ihr brillantes und unprätentiöses Spiel überzeugt die Pianistin Jamina Gerl bei ihrem Vortrag des Pfohl’schen Klavierwerks. Schon die ersten Takte der Strandbilder mit den filigranen Läufen und glitzernden Trillern zeugen von ihrer technischen Lupenreinheit, die sie nicht zum Selbstzweck nutzt. Selbst in den üppig befrachteten Schlussstellen gibt sie sich nicht dem Sog der Musik hin, sondern kontrolliert ihr Spiel zu einer dadurch noch packenderen Darstellung, welche die Spannung ins Unermessliche steigert und kontinuierlich oben hält. Auch den lyrischen Stücken gibt sich die Pianistin nicht haltlos hin, sondern bewahrt wohltuende Distanz, um den Kern der Musik zu erfassen und dem Hörer zu präsentieren. © 2019 The New Listener



Burkhard Schäfer
Feuilleton (Germany), September 2019

Ein Kritiker und Komponist

Ferdinand Pfohl (1862–1949) war einer der führenden deutschen Musikkritiker seiner Zeit. Zudem hat er sich einen Namen als Schriftsteller gemacht. 1911 erschien seine große Richard-Wagner- Biografie, die hohe Auflagen erzielte. Daneben reüssierte Pfohl damals auch als Komponist. In dieser Eigenschaft kennt man ihn heute leider kaum mehr. Um so dankbarer ist man für die Einspielung seiner Klavierwerke, die die Pianistin Jamina Gerl jetzt beim Label Grand Piano (Vertrieb: Naxos) vorgelegt hat. Auf der CD zu hören sind die beiden großen Zyklen „Strandbilder“ (1892) und „Suite élégiaque“ (1894) sowie die zehn Jahre früher entstandene „Nordische Rhapsodie ‚Hagbart‘ nach einem Thema von Edvard Grieg“.

Frau Gerl, wie sind Sie auf Ferdinand Pfohls Musik gestoßen?
Jamina Gerl: Durch unsere gemeinsamen sudetendeutschen Wurzeln – ich hatte gerade den Sudetendeutschen Förderpreis für darstellende und ausübende Kunst erhalten – erreichte mich die Anfrage der Pfohl- Woyrsch-Ge sellschaft, ob ich Pfohls Klavierwerke einspielen könne. Nach einer ersten Sichtung sagte ich sofort zu. Da sein Enkel über eine umfangreiche Sammlung verfügt, wurde es mir ermöglicht, Einsicht in Pfohls Leben und Schaffen zu erhalten. Das war für mich von unschätzbarem Wert.

Was zeichnet die „Strandbilder“ aus? In welcher Tradition steht diese Musik?
Diese sechs Charakterstücke hat Pfohl später in seiner – heute leider verschollenen – „Meer-Symphonie“ orchestriert. Programmatische Grundlage sind die Inseln Helgoland und Sylt. Die Musik enthält zahlreiche bildhafte Elemente, die dem dynamischen Naturgeschehen zwar nachempfunden sind, vom Komponisten jedoch in absolute musikalische Formen überführt werden. Der Stil der „Strandbilder“ erinnert bei aller Individualität manchmal an die russisch-skandinavische Nationalromantik.

Was ist das Geheimnis der groß dimensionierten „Suite élégiaque“?
Fast jedes der fünf Stücke beginnt meditativ, reflektierend, harmonisch pendelnd – bis der Pfohlsche Schalk wieder aufblitzt, der auch in seinen satirischen Schriften und Radiosendungen zum Vorschein kommt: eine plötzliche Staccato-Passage, ein tänzerisches Element, ein Scherzo unterbrechen das Ganze. Neben großer Liebe zum Detail im Notentext hat Pfohl uns hier eine Musik hinterlassen, die sich dem Greifbaren oft entzieht, bei unvoreingenommenem und intensivem Nachspüren aber wunderbar zu leben beginnt. © 2019 Feuilleton (Germany)





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